Booster Gold vor dem Aus: Das neue DCU wirkt schon jetzt wie ein Neustart mit Totalschaden
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Booster Gold Serie gestoppt – zumindest die Version von David Jenkins wird bei DC Studios und HBO nicht weiterverfolgt. Und während bereits von einem möglichen Neustart mit einem neuen Kreativteam gesprochen wird, bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Im neuen DC Universe wird erstaunlich viel angekündigt, umgebaut, verschoben und beerdigt – nur erschreckend wenig tatsächlich fertig.
Ich sage das nicht als Marvel-Fan, der DC beim Stolpern grinsend Popcorn ins Gesicht wirft. Ich bin seit Jahren großer DC-Fan. Genau deshalb nervt mich diese Entwicklung so sehr. Das neue DCU sieht für mich inzwischen nicht spannend oder mutig aus. Es sieht aus wie ein Filmstudio, das seit drei Jahren einen Schrank aufbaut und immer noch diskutiert, welche Schraube eigentlich nach oben gehört.
Booster Gold Serie gestoppt: Ein Pilot für den Papierkorb
David Jenkins, der Schöpfer von „Our Flag Means Death“, hatte an einer Version der Serie gearbeitet und bereits ein Pilotdrehbuch abgegeben, von dem er selbst offensichtlich ziemlich überzeugt war.
Nur wenige Wochen später folgte das Aus. Jenkins erklärte öffentlich, dass sein „Booster Gold“ nicht weitergeführt werde. Er bezog sich dabei sogar auf Mahershala Alis Abschied von Marvels seit Jahren herumliegendem „Blade“-Projekt.
Wenn Kreative inzwischen die Abschiedserklärungen anderer gescheiterter Superheldenproduktionen wiederverwenden können, läuft in Hollywood wenigstens eine Form der Kreislaufwirtschaft erstaunlich effizient.
Das Projekt soll damit allerdings nicht zwingend vollständig verschwunden sein. Berichten zufolge könnte DC Studios einen neuen Autor oder ein komplett neues Kreativteam suchen. Das klingt zunächst besser als eine endgültige Absage.
Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass eine bereits entwickelte Serie wieder am Anfang steht. Kein Drehbeginn, keine Besetzung und offenbar auch kein kreatives Konzept, das die Verantwortlichen tatsächlich überzeugt hat.
Gute Projekte dürfen scheitern, überarbeitet und neu begonnen werden. Natürlich ist es besser, einen schwachen Pilot nicht zu produzieren, als anschließend acht mittelmäßige Episoden auf HBO abzuladen und zu hoffen, dass ein ironischer TikTok-Trend die Sache rettet.
Aber irgendwann ist ein Neustart kein Zeichen sorgfältiger Qualitätskontrolle mehr. Irgendwann wirkt es einfach so, als hätte niemand eine klare Vorstellung davon, was man mit diesem Projekt eigentlich erzählen möchte.
Nicht die einzelne Absage ist alarmierend. Das Problem ist die Summe aus angekündigten Projekten, jahrelanger Entwicklung, kreativen Neustarts und Figuren, die noch immer auf ihren ersten konkreten Produktionsschritt warten.
Booster Gold hätte perfekt in unsere Zeit gepasst
Dabei war „Booster Gold“ eine der Ideen aus der ursprünglichen DCU-Ankündigung, die ich wirklich interessant fand. Michael Jon Carter ist kein klassischer strahlender Held. Er ist ein gescheiterter Sportler aus der Zukunft, der moderne Technik stiehlt, in die Vergangenheit reist und dort so tut, als hätte er echte Superkräfte.
Am Anfang will Booster vor allem berühmt werden, Werbeverträge einsammeln und sich selbst vermarkten. Hinter der großen Klappe steckt aber ein Mann, der ständig glaubt, nicht gut genug zu sein – und der sich im Laufe der Zeit tatsächlich zu einem echten Helden entwickelt.
Eine Figur über Selbstvermarktung, Berühmtheit, Hochstapelei und das Gefühl, eigentlich nicht an den Tisch der großen Helden zu gehören? Das ist praktisch der perfekte Superheld für das Zeitalter von Instagram, Personal Branding und Menschen, die nach drei Motivationsvideos „CEO“ in ihre Biografie schreiben.
Natürlich gehört Booster Gold nicht zur ersten Reihe neben Batman, Superman oder Wonder Woman. Aber genau deshalb hätte eine Serie funktionieren können. Er bietet Humor, Zeitreisen, persönliche Tragik und mit Skeets einen fliegenden Roboter, der vermutlich mehr Persönlichkeit besitzt als manche komplette Streamingserie.
Die Figur wäre außerdem ein guter Einstieg in die schrägeren Bereiche des DC-Universums gewesen. Booster kann gleichzeitig albern und tragisch sein. Er ist ein Wichtigtuer, der aus den falschen Gründen ein Held wird und irgendwann feststellt, dass Verantwortung leider nicht mit einem Sponsorenvertrag verschwindet.
Das DCU wurde 2023 groß angekündigt – wo ist es jetzt?
Im Januar 2023 präsentierten James Gunn und Peter Safran zehn Filme und Serien für das erste Kapitel „Gods and Monsters“. Dazu gehörten unter anderem „The Authority“, „The Brave and the Bold“, „Swamp Thing“, „Waller“, „Paradise Lost“ und eben „Booster Gold“.
Das klang damals nicht nach einer vorsichtigen Ideensammlung. Es klang nach einem echten Fahrplan für ein neues, zusammenhängendes DC Universe.
Mehr als drei Jahre später ist von dieser selbstbewussten Aufbruchsstimmung nicht mehr besonders viel übrig. Einige Projekte existieren und sind konkret. „Lanterns“ ist tatsächlich produziert worden, und auch „Clayface“ hat deutlich mehr Substanz als nur eine Überschrift auf einer Präsentationsfolie.
Trotzdem stehen mehreren realen Produktionen inzwischen zahlreiche Filme und Serien gegenüber, die pausiert wurden, neu entwickelt werden oder weiterhin in einer erstaunlich nebulösen Vorbereitungsphase stecken.
Zwei große Ankündigungen aus dem Jahr 2023. Fertige Filme befinden sich auf den Bildern leider nicht.
„The Authority“ wurde inzwischen zurückgestellt, weil das Drehbuch laut James Gunn nicht überzeugte und die Geschichte nicht richtig in das größere DCU passte.
Das ist als einzelne Entscheidung vernünftig. Einen Film nicht zu produzieren, wenn das Skript nicht funktioniert, ist immer noch besser, als wieder eine weitere 200-Millionen-Dollar-Produktion während der Dreharbeiten komplett umzubauen.
Aber erneut bleibt die Frage: Warum wurde das Projekt dann bereits 2023 so selbstbewusst als fester Teil des Universums präsentiert?
Beim DCU-Batman sieht es ebenfalls erstaunlich leer aus. „The Brave and the Bold“ soll Bruce Wayne und dessen Sohn Damian als Robin einführen. Bislang gibt es aber weder einen bestätigten Batman-Darsteller noch einen konkreten Produktionsstart.
Stattdessen bekommen wir beinahe wöchentlich neue Fan-Castings und anschließend James Gunn, der auf Threads wieder erklären muss, dass natürlich niemand verpflichtet wurde.
Das ist inzwischen keine Marketingstrategie mehr. Das ist ein sehr langes Gespräch darüber, wer irgendwann möglicherweise einmal zu einem Vorsprechen eingeladen werden könnte.
„Supergirl“ war mittelmäßig – und an den Kinokassen ein Desaster
Dann wäre da noch „Supergirl“. Ich fand den Film nicht vollkommen unansehbar. Milly Alcock war nicht das Problem. Aber der Film war für mich am Ende schlicht mittelmäßig – ein paar gute Ideen, ein paar ordentliche Momente und sehr viel Material, das deutlich aufregender hätte sein müssen.
Wirtschaftlich sieht die Sache wesentlich eindeutiger aus. Der Film soll rund 170 Millionen US-Dollar gekostet und bis Ende Juli weltweit nur etwas mehr als 124 Millionen eingespielt haben.
Nach lediglich 32 Tagen ging es bereits in die digitale Auswertung. Das ist kein kleiner Schönheitsfehler. Das ist ein Kinoflop.
Es ist ausgerechnet der zweite große Kinofilm dieses neuen Universums. Und ja, man kann argumentieren, dass nicht jede Comicfigur sofort eine Milliarde Dollar einspielen muss.
Vollkommen richtig. Ein neues Filmuniversum darf Risiken eingehen. Es sollte sogar Risiken eingehen, sonst bekommen wir zwanzig Jahre lang nur Batman gegen Joker und Superman gegen irgendeinen großen digitalen Mann.
Aber wenn man ein neues Universum startet, sollte der zweite Film zumindest das Gefühl vermitteln, dass die Zuschauer unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht.
Stattdessen wirkte „Supergirl“ für mich wie ein Film, der veröffentlicht wurde, weil er auf dem Plan stand – nicht weil er der nächste unverzichtbare Baustein eines großen Universums war.
Die Comicvorlage von Tom King und Bilquis Evely gehört zu den stärksten modernen Supergirl-Geschichten. Darin steckt ein großartiges, emotionales und visuell außergewöhnliches Weltraumabenteuer.
Der Film hätte also alles Material gehabt, um etwas Besonderes zu werden. Am Ende blieb für mich aber ein solides, gelegentlich unterhaltsames Abenteuer, das weder als eigenständiger Film noch als zweiter großer DCU-Baustein wirklich Eindruck hinterließ.
Wo sind Batman, Wonder Woman und die erste Liga?
DC besitzt einige der berühmtesten Figuren der gesamten Popkultur. Batman, Wonder Woman, Green Lantern, Flash, Aquaman, Green Arrow, die Justice League und die Teen Titans warten nicht irgendwo in einer Rechte-Schublade. Sie gehören bereits zum eigenen Haus.
Trotzdem bekommen wir jahrelange Diskussionen über „The Authority“, „Sgt. Rock“, „Waller“, „Paradise Lost“, „Booster Gold“ und einen Horrorfilm über Clayface, während der eigentliche DCU-Batman immer noch nicht einmal besetzt ist.
Gegen kleinere Figuren ist überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Gerade DC besitzt genügend unterschätzte Charaktere für fantastische Filme und Serien.
Aber man baut kein neues Restaurantimperium auf, indem man zuerst zwölf experimentelle Beilagen ankündigt und anschließend zugibt, dass noch niemand weiß, wann die Küche öffnet.
Erst die Grundpfeiler. Dann die wilden Ideen. Erst Batman, Wonder Woman und Green Lantern klar etablieren. Danach darf Booster Gold gerne Zeitreisen veranstalten, Swamp Thing im Sumpf leiden und die Authority die Wände eintreten.
Stattdessen fühlt sich das neue DCU aktuell an wie ein Universum voller Nebenprojekte, das immer noch auf sein eigentliches Hauptprogramm wartet.
Superman allein kann dieses ganze Konstrukt nicht auf seinen Schultern tragen. Die Figur kann fliegen, aber selbst Superman bekommt irgendwann Rückenschmerzen, wenn ein komplettes Filmuniversum an seinem Cape hängt.
Qualität vor Geschwindigkeit ist richtig – Stillstand ist es nicht
James Gunn betont regelmäßig, dass kein Projekt produziert werden soll, bevor das Drehbuch überzeugt. Grundsätzlich ist das exakt die richtige Haltung.
Das alte DCEU hat oft genug bewiesen, was passiert, wenn ein Studio hektisch auf Marvel reagieren will und während der Fahrt noch drei verschiedene Lenkräder montiert.
Gute Drehbücher brauchen Zeit. Eine schlechte „Booster Gold“-Serie nur deshalb zu produzieren, weil sie 2023 auf einer Präsentationsfolie stand, wäre ebenfalls Unsinn.
Aber nach mehreren Jahren muss ein Studio irgendwann mehr vorweisen als die Versicherung, dass hinter den Kulissen ganz bestimmt fleißig gearbeitet wird.
Sonst wird aus „Qualität vor Geschwindigkeit“ langsam „Vielleicht irgendwann, wenn uns noch etwas einfällt“.
Dass die Version von David Jenkins nun verschwunden ist, macht jedenfalls nicht den Eindruck eines souverän geplanten Universums. Es wirkt wie ein weiteres Projekt, das angekündigt wurde, bevor irgendjemand wusste, wie es eigentlich aussehen soll.
Ist das neue DCU bereits tot?
Natürlich nicht im wörtlichen Sinn. Es gibt laufende Projekte, und einzelne davon können großartig werden. „Lanterns“ sieht interessant aus. Ein guter „Clayface“-Film könnte eine echte Überraschung werden.
Auch ein neu entwickelter „Booster Gold“ kann irgendwann funktionieren. Vielleicht ist der jetzige Neustart genau das, was die Serie benötigt.
Aber das Vertrauen in einen großen, zusammenhängenden Plan nimmt mit jeder abgesagten, verschobenen oder komplett neu gestarteten Produktion weiter ab.
Ein Filmuniversum lebt nicht nur von einzelnen guten Filmen. Es lebt von Vorfreude, Verlässlichkeit und dem Gefühl, dass die Verantwortlichen wissen, wohin die Reise geht.
Genau dieses Gefühl fehlt mir momentan. Das DCU ist vielleicht nicht tot. Aber es sieht erschreckend blass aus für etwas, das angeblich gerade erst richtig zum Leben erwachen soll.
Als DC-Fan möchte ich nicht ständig erklären müssen, warum das alles bestimmt irgendwann noch großartig wird. Irgendwann muss das Studio selbst den Beweis liefern.
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Unser Fazit
Die Meldung „Booster Gold Serie gestoppt“ ist für sich allein noch kein Todesurteil für das DCU. Schließlich soll das Projekt möglicherweise mit einem neuen Team weiterentwickelt werden.
Trotzdem ist dieser erneute Neustart symptomatisch. Eine 2023 groß angekündigte Serie steht mehr als drei Jahre später wieder praktisch am Anfang.
Dazu kommen ein gefloppter „Supergirl“-Film, ein zurückgestelltes „Authority“-Projekt und zentrale Figuren wie Batman und Wonder Woman, deren neue DCU-Zukunft weiterhin erschreckend unkonkret ist.
Vielleicht überrascht uns James Gunn noch alle. Vielleicht sehen wir in einigen Jahren ein starkes, vielfältiges und wirklich zusammenhängendes DC Universe.
Aber im Moment sehe ich keinen großen Plan. Ich sehe eine Ansammlung von Ideen, aus denen regelmäßig wieder eine herausfällt.
Booster Gold ist nur das neueste Teil, das gerade klappernd auf dem Boden gelandet ist.
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Quellen: Deadline , DC , Variety , CBR und Tom’s Guide . Bildmaterial: DC. Einordnung und Meinung: Comixdealer Magazin.
