Absolute Green Arrow Kritik: Der Bogenschütze wird zum Serienkiller
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Diese Absolute Green Arrow Kritik zu den ersten beiden US-Heften fällt ziemlich eindeutig aus: Ich liebe diesen Ansatz. Green Arrow als brutaler Serienkiller, Black Canary als Ermittlerin und eine Geschichte, die sich wie ein düsterer „Who-done-it?“-Thriller entfaltet – damit hatte mich die Reihe praktisch sofort.
Autor Pornsak Pichetshote und Zeichner Rafael Albuquerque nehmen die vertraute Green-Arrow-Mythologie, zerlegen sie in ihre Einzelteile und bauen daraus einen urbanen Horror-Krimi über Macht, Reichtum, Schuld und Selbstjustiz. Noch wissen wir nicht, wer unter der Kapuze steckt. Noch wichtiger: Wir wissen ebenfalls nicht genau, nach welchen Regeln dieser Killer seine Opfer auswählt.
Absolute Green Arrow Kritik: Mord unter den Reichen
In Star City werden korrupte Milliardäre ermordet. Die Leichen werden von grünen Pfeilen durchbohrt aufgefunden, doch niemand weiß, wer hinter den Taten steckt. Die Öffentlichkeit gibt dem Täter schnell einen passenden Namen: den Green Arrow Killer.
Bereits dieser Ausgangspunkt ist verdammt stark. Green Arrow war schon immer ein Held mit einer klaren politischen Haltung. Oliver Queen kämpfte nicht nur gegen kostümierte Superschurken, sondern ebenso gegen Korruption, Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit.
Die Absolute-Version treibt diesen Kern nun bis zum äußersten Punkt. Was passiert, wenn jemand Olivers gesellschaftliche Kritik nicht mehr mit Pfeilen gegen Waffen, sondern direkt gegen Menschen richtet?
Der unbekannte Bogenschütze bestraft seine Opfer nicht zufällig. Alles deutet darauf hin, dass hinter den Morden eine bestimmte Agenda steckt. Wir können diese bereits erahnen, kennen aber weder den vollständigen Plan noch die Grenzen, die der Täter möglicherweise noch besitzt.
Genau das macht die Geschichte so spannend. Der Comic erklärt nicht sofort alles. Er legt Hinweise, streut Verdächtige ein und lässt den Leser selbst überlegen, ob dieser Green Arrow ein einfacher Psychopath, ein politischer Rächer oder etwas noch Beunruhigenderes ist.
Dinah Lance wird zur Ermittlerin
Im Zentrum der Untersuchung steht Dinah Lance. Diese Absolute-Version von Black Canary arbeitet im Personenschutz und soll den geheimnisvollen Mörder identifizieren.
Ihre Ermittlungen führen sie zu mehreren bekannten Bogenschützen des DC-Universums. Alle besitzen eine Verbindung zu Oliver Queen, der in dieser Welt bereits vor Beginn der Handlung ermordet wurde.
Dadurch entsteht ein klassischer Krimi-Aufbau: Dinah arbeitet eine Liste möglicher Täter ab, stößt auf widersprüchliche Erinnerungen und entdeckt dabei immer neue Teile aus Olivers Vergangenheit.
Besonders gut funktioniert, dass Dinah nicht bloß als Zuschauerin durch die Handlung läuft. Sie ist körperlich präsent, emotional angeschlagen und wird immer tiefer in ein Netz aus Gewalt, Geheimnissen und persönlichen Verbindungen gezogen.
Die Frage lautet dadurch nicht nur: Wer ist der Green Arrow Killer? Ebenso wichtig wird: Wie viel wusste Dinah wirklich über Oliver Queen – und wie viele Menschen hat er zurückgelassen, die ihre ganz eigene Vorstellung von seinem Vermächtnis besitzen?
Heft 1 zieht sofort die Schlinge zu
Das erste Heft braucht keine lange Anlaufphase. Innerhalb weniger Seiten stehen der Mordfall, die wichtigsten Verdächtigen und die düstere Atmosphäre.
Trotzdem wirkt die Ausgabe nicht gehetzt. Pornsak Pichetshote gibt den Szenen ausreichend Raum, damit Star City nicht nur wie eine Kulisse aussieht, sondern wie eine Stadt, in der Reichtum, Macht und Gewalt eng miteinander verbunden sind.
Besonders stark ist der Ton. Der Comic ist kein gewöhnliches Superheldenabenteuer, bei dem ein maskierter Bösewicht einen Laser über der Stadt aufbaut. Die Geschichte fühlt sich eher nach einem urbanen Serienkiller-Thriller mit Horrorelementen an.
Jeder neue Tatort erweitert das Rätsel. Jeder Verdächtige besitzt einen nachvollziehbaren Grund, Oliver Queen zu kennen oder sein Symbol zu übernehmen. Und über allem schwebt die unangenehme Frage, ob die Opfer vielleicht tatsächlich genau jene Menschen sind, denen niemand besonders lange hinterhertrauert.
Das macht die moralische Lage bewusst kompliziert. Die Morde sind grausam und nicht zu rechtfertigen. Gleichzeitig arbeitet der Comic sehr gezielt mit dem Gedanken, dass immense Macht und extremer Reichtum häufig auf Kosten anderer entstehen.
Die Geschichte macht Green Arrow nicht einfach „böser“. Sie verwandelt seine politische Haltung in ein gefährliches Rätsel: Welche Verbrechen bestraft der Täter – und ab wann wird aus einer nachvollziehbaren Wut eine mörderische Ideologie?
Heft 2 vertieft das Rätsel statt es vorschnell aufzulösen
Heft 2 macht genau das Richtige: Es liefert nicht sofort eine einfache Antwort, sondern erweitert das Mysterium.
Dinah untersucht Mia Dearden, die in dieser Welt ebenfalls eine enge Verbindung zu Oliver Queen besitzt. Das Treffen zwischen den beiden Frauen wird nicht als trockene Befragung inszeniert, sondern als körperliche und emotionale Konfrontation.
Dabei kommen neue Informationen über Olivers Vergangenheit ans Licht. Gleichzeitig wird deutlich, dass praktisch jede Figur nur einen Teil der Wahrheit kennt – oder bewusst zurückhält.
Das zweite Heft vergrößert damit die Zahl der möglichen Täter, ohne beliebig zu wirken. Jede neue Enthüllung ergibt sich aus den Beziehungen zwischen Oliver, Dinah und den übrigen Bogenschützen.
Besonders spannend ist die Frage, ob Dinah den Green Arrow Killer überhaupt nur stoppen möchte. Je mehr sie über seine Opfer und mögliche Motive erfährt, desto schwerer wird die klare Trennung zwischen Täter und Gegner.
Der Comic spielt gezielt mit diesem moralischen Unbehagen. Der Täter ist grausam. Seine Ziele wirken jedoch nicht vollständig wahllos. Dadurch bleibt ständig die Frage im Raum, ob Dinah ein Monster jagt – oder jemanden, dessen Ziele sie zumindest teilweise verstehen könnte.
Rafael Albuquerques Zeichnungen passen perfekt
Die Zeichnungen von Rafael Albuquerque sind für diese Geschichte praktisch die ideale Wahl.
Sein Stil wirkt rau, schmutzig und körperlich. Gesichter sind nicht künstlich glatt oder heldenhaft perfektioniert. Menschen sehen erschöpft, angespannt und gelegentlich ziemlich kaputt aus.
Gerade dadurch besitzt jede Szene Gewicht. Gewalt fühlt sich nicht wie eine harmlose Choreografie zwischen Actionfiguren an. Treffer tun weh, Körper reagieren und Tatorte wirken unangenehm real.
Gleichzeitig kann Albuquerque Action hervorragend lesbar inszenieren. Bewegungen sind dynamisch, ohne dass die Seiten in einem unübersichtlichen Durcheinander verschwinden.
Besonders stark sind seine Bildkompositionen. Informationen werden nicht einfach nur in Dialogen erklärt, sondern über Gegenstände, Blickrichtungen, Schatten und die Anordnung einzelner Panels vermittelt.
Marcelo Maiolos Farben verstärken die Atmosphäre zusätzlich. Dunkle Töne, hartes Grün, aggressive Rotflächen und kaltes Licht lassen Star City wie einen Ort wirken, an dem selbst tagsüber irgendwo ein Verbrechen stattfinden könnte.
Green Arrow als Serienkiller ist mehr als ein billiger Schock
Die Idee, einen bekannten Helden zum Serienkiller zu machen, könnte schnell wie ein billiger Versuch wirken, durch maximale Härte Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Bei „Absolute Green Arrow“ funktioniert dieser Ansatz aber, weil er aus den bekannten Themen der Figur entwickelt wird.
Oliver Queen stand schon immer für eine radikale Kritik an Macht, Reichtum und sozialer Ungerechtigkeit. Die neue Reihe fragt nun, was passiert, wenn diese Haltung jede moralische Grenze verliert.
Deshalb ist der Green Arrow Killer nicht einfach ein beliebiger Irrer mit Pfeil und Bogen. Seine Taten besitzen offenbar ein Muster. Seine Opfer wurden ausgewählt. Und hinter seinen Angriffen steckt eine Botschaft, die wir bislang nur teilweise verstehen.
Genau diese offene Agenda zieht mich vollständig in die Geschichte. Ich möchte wissen, wer unter der Kapuze steckt. Aber fast noch wichtiger ist die Frage, warum diese Person glaubt, dass ihre Opfer sterben müssen.
Kleine Schwächen nach zwei Heften
Nach nur zwei Ausgaben lässt sich natürlich noch nicht beurteilen, ob das große Rätsel am Ende wirklich befriedigend aufgelöst wird.
Murder-Mystery-Geschichten leben davon, dass ihre Hinweise später tatsächlich zusammenpassen. Eine starke Ausgangsidee reicht nicht, wenn die Auflösung am Ende bloß aus einer überraschenden Figur ohne ausreichende Vorbereitung besteht.
Außerdem besteht die Gefahr, dass immer neue Verdächtige eingeführt werden, ohne dass einzelne Figuren genügend Zeit erhalten. Bislang hält die Reihe jedoch die Balance und verwendet jede neue Begegnung, um gleichzeitig Dinah und Olivers Vergangenheit weiterzuentwickeln.
Der Einstieg ist also hervorragend. Jetzt muss die Geschichte beweisen, dass hinter den grünen Pfeilen auch langfristig ein starker Plan steckt.
Bisher leider nur auf Englisch
„Absolute Green Arrow“ ist bislang nur als englische US-Serie erhältlich. Eine deutsche Ausgabe wurde noch nicht angekündigt.
Die ersten beiden Hefte lassen sich sprachlich grundsätzlich gut lesen. Allerdings arbeitet die Geschichte mit Ermittlungsdialogen, politischen Aussagen und mehreren Andeutungen, weshalb solide Englischkenntnisse hilfreich sind.
Eine spätere deutsche Sammelausgabe dürfte sich für diesen Titel besonders anbieten. Gerade weil die Handlung stark aufeinander aufbaut, könnte der Krimi im zusammenhängenden Lesen sogar noch besser funktionieren.
Fazit unserer Absolute Green Arrow Kritik
Nach den ersten beiden Ausgaben bin ich vollständig an Bord.
„Absolute Green Arrow“ nimmt die bekannte Figur und erzählt sie als düsteren Serienkiller-Krimi neu. Nicht als bloße Schockversion, sondern als konsequente Weiterentwicklung jener politischen und gesellschaftlichen Themen, die Green Arrow seit Jahrzehnten prägen.
Der „Who-done-it?“-Aufbau funktioniert hervorragend. Die Verdächtigen sind interessant, die Morde besitzen ein erkennbares Muster und hinter der Agenda des Killers verbirgt sich offensichtlich mehr, als die ersten Tatorte verraten.
Rafael Albuquerques Zeichnungen passen perfekt zu dieser Welt. Sie sind rau, dynamisch, dreckig und gelegentlich richtig unangenehm. Genau so muss dieser Comic aussehen.
Die größte Stärke ist aber das Mysterium. Ich will wissen, wer dieser Green Arrow ist. Ich will wissen, warum er mordet. Und ich will wissen, ob seine Agenda irgendwann einen Punkt erreicht, an dem Dinah Lance sich fragen muss, auf welcher Seite sie eigentlich steht.
Zwei Hefte reichen natürlich noch nicht für ein endgültiges Gesamturteil. Für den Einstieg gilt aber: Das ist einer der spannendsten neuen Ansätze für Green Arrow seit Langem.
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WhatsApp-Kanal abonnierenQuellen und Bildmaterial: DC Comics – Absolute Green Arrow #1 und DC Comics – Absolute Green Arrow #2 . Kritik und persönliche Einschätzung: Comixdealer Magazin.
