Creepshow 3 Kritik: Zehn fiese Albträume zwischen Kult, Körperhorror und schwarzem Humor
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Unsere Creepshow 3 Kritik führt in eine Welt, in der psychedelische Sekten, abgetrennte Hände, tödliche Internetberühmtheit und ausgesprochen schlechte Schönheitsentscheidungen nur der Anfang sind. Der dritte Anthologieband versammelt zehn kurze Horrorgeschichten, die ihren Lesern erst freundlich die Tür aufhalten – und sie anschließend mit derselben Tür erschlagen.
Das Ergebnis ist nicht immer gleichmäßig stark, aber herrlich abwechslungsreich. „Creepshow 3“ versteht, dass eine gute Gruselgeschichte nicht zwingend 600 Seiten Vorgeschichte benötigt. Manchmal reichen zwanzig Seiten, eine wirklich dumme Entscheidung und ein Monster, das bereits seit dem ersten Panel hungrig aussieht.
Creepshow 3 Kritik: Willkommen zurück im schönsten Albtraumkabinett
„Creepshow“ trägt seine Wurzeln sichtbar vor sich her. Die Reihe steht in der Tradition jener klassischen Horrorhefte, in denen ein grinsender Gastgeber makabre Geschichten präsentiert und am Ende meistens jemand genau die Strafe bekommt, die er verdient.
Das ist Horror als bitterböse Moralgeschichte. Gierige Menschen werden bestraft, Eitelkeit endet selten mit einem Wellnesswochenende und wer glaubt, mit dunklen Mächten einen besonders cleveren Vertrag abgeschlossen zu haben, hat das Kleingedruckte natürlich wieder nicht gelesen.
Der dritte Band versucht glücklicherweise nicht, diesen Stil auf besonders erwachsen und bedeutungsschwer zu trimmen. Die Geschichten dürfen bunt, grotesk, blutig und gelegentlich herrlich albern sein.
Hier geht es nicht um stilles Arthouse-Grauen, bei dem eine Person 40 Seiten lang bedeutungsvoll in einen leeren Flur blickt. „Creepshow“ möchte Monster zeigen, Leichen produzieren und seine Pointen möglichst mit einer schmutzigen Schaufel servieren.
Zehn Geschichten – und keine bleibt lange höflich
Der Band sammelt die fünf Hefte des dritten US-Zyklus. Jedes davon enthält zwei eigenständige Erzählungen von wechselnden Kreativteams. Das sorgt für ein hohes Tempo, aber auch für große stilistische Unterschiede.
Chip Zdarsky und Kagan McLeod erzählen beispielsweise von einer unterdrückten Hausfrau, die ihre Tochter aus den Händen eines psychedelischen Kults retten möchte. Was zunächst nach familiärem Rettungseinsatz klingt, entwickelt sich erwartungsgemäß nicht zu einem entspannten Mutter-Tochter-Ausflug.
James Stokoe widmet sich einer abgetrennten Hand und einem Schriftsteller, der unbedingt herausfinden möchte, welche Geschichte hinter dem Fundstück steckt. Wer Stokoes überbordende, detailversessene Bilder kennt, weiß bereits: Diese Hand wird nicht einfach still auf einem Tisch liegen und auf die Spurensicherung warten.
Andere Geschichten handeln von einer Halloween-Übernachtung, die deutlich mehr als die üblichen Schäden durch Zuckerüberschuss hinterlässt, von drei Freunden, deren Social-Media-Erfolg ausgesprochen gewalttätig viral geht, und von Sammlern auf der Jagd nach dem ultimativen Comic-Schatz.
Letzteres dürfte Comicfans besonders beunruhigen. Schließlich weiß jeder Sammler, dass beim Satz „extrem seltene Ausgabe“ innerhalb von Sekunden sämtliche finanziellen und moralischen Schutzmechanismen ausfallen können.
Die größte Stärke ist der ständige Stilwechsel
Anthologien leben davon, dass nach jeder Geschichte eine neue Tür geöffnet wird. Hinter dieser Tür sollte allerdings nicht jedes Mal dasselbe Monster mit einer anderen Perücke stehen.
„Creepshow 3“ verhindert das durch seine sehr unterschiedlichen Zeichner. James Stokoe füllt seine Seiten mit grotesken Details und visueller Überforderung, während Jorge Fornés wesentlich kontrollierter, filmischer und beinahe noirartig erzählt.
Kagan McLeod setzt stärker auf Bewegung und expressive Figuren. Stefano Raffaele wiederum versteht es, Körper und Gesichter so zu zeichnen, dass man bereits vor dem eigentlichen Gewaltausbruch ahnt, dass der Abend für niemanden angenehm enden wird.
Diese Unterschiede sind kein Problem, sondern der eigentliche Reiz. Jede Geschichte besitzt ihre eigene Bildsprache. Der Band fühlt sich dadurch weniger wie eine gleichförmige Serie und mehr wie ein Stapel alter Horrorhefte an, den man nachts besser nicht neben dem Bett liegen lässt.
Wenn eine Geschichte oder ein Zeichenstil nicht vollständig zündet, wartet bereits wenige Seiten später der nächste Albtraum. „Creepshow 3“ kennt keine langen Durststrecken – höchstens kurze Wege zum nächsten Tatort.
Der Horror funktioniert am besten, wenn er böse lächelt
Die stärksten Geschichten des Bandes sind nicht unbedingt jene mit dem meisten Blut. Am besten funktioniert „Creepshow“, wenn Grauen und schwarzer Humor gemeinsam auftreten.
Die Reihe möchte ihr Publikum erschrecken, genießt aber gleichzeitig sichtbar den eigenen schlechten Geschmack. Ein grausamer Tod darf schockieren – und eine Seite später trotzdem mit einer Pointe garniert werden, für die man sich kurz schämt.
Gerade diese Mischung verbindet die Comics mit dem Geist der bekannten Film- und Serienfassungen. Der Creep ist kein neutraler Erzähler, der nüchtern über tragische Ereignisse berichtet. Er ist der widerliche Gastgeber einer Show, bei der die Katastrophe bereits vor Beginn feststeht.
Viele moderne Horrorcomics nehmen sich ausgesprochen ernst. „Creepshow 3“ weiß dagegen, dass ein schmieriger Untoter, eine völlig übertriebene Bestrafung und ein richtig schlechter Wortwitz gelegentlich mehr Freude bereiten als die nächste hundertseitige Abhandlung über Trauma.
Nicht jede Pointe trifft gleich hart
Das Anthologieformat bringt allerdings auch die üblichen Schwächen mit. Zehn Geschichten bedeuten zwangsläufig, dass nicht jede davon denselben Eindruck hinterlässt.
Manche Ideen fühlen sich nach der letzten Seite vollständig und angenehm gemein an. Andere wirken eher wie eine starke Pointe, um die nachträglich noch eine Handlung gebaut wurde.
Außerdem ist das klassische Muster schnell erkennbar: Eine Figur verhält sich schlecht, ignoriert sämtliche Warnzeichen und bekommt am Ende eine übernatürliche Quittung. Wer viele alte EC-Horrorcomics oder „Geschichten aus der Gruft“ gelesen hat, wird nicht von jeder Wendung vollkommen überrascht.
Das ist allerdings ein wenig so, als würde man einem Slasherfilm vorwerfen, dass darin Jugendliche schlechte Entscheidungen treffen. Natürlich tun sie das. Ohne diese Menschen wäre das Monster nach einer halben Stunde arbeitslos.
Entscheidend ist deshalb weniger, ob man jede Wendung errät, sondern wie unterhaltsam der Weg dorthin gestaltet ist. Und hier liefert „Creepshow 3“ über weite Strecken genau die richtige Mischung aus Tempo, Abwechslung und makabrer Schadenfreude.
Die Splitter-Ausgabe ist ein kleines Gruselkabinett fürs Regal
Splitter veröffentlicht den dritten Band als farbiges Hardcover mit 128 Seiten im Format 28 × 20 Zentimeter. Das ist größer und hochwertiger als das amerikanische Paperback und gibt den sehr unterschiedlichen Zeichenstilen ausreichend Platz.
Der Preis von 29,80 Euro ist für einen Band mit zehn kurzen Geschichten nicht gerade ein Kiosk-Schnäppchen. Dafür erhält man eine stabile Hardcover-Ausgabe, kräftige Farben und einen komplett abgeschlossenen Anthologiezyklus.
Besonders angenehm: Man muss die ersten beiden Bände nicht kennen. Jede Geschichte steht für sich, und der Creep benötigt keine komplizierte Vorgeschichte. Er ist tot, widerlich und freut sich über menschliches Elend. Mehr Charakterentwicklung braucht dieser Mann nicht.
Für wen lohnt sich „Creepshow 3“?
Der Band ist eine klare Empfehlung für Leser, die Horror gern kurz, abwechslungsreich und mit schwarzem Humor serviert bekommen. Fans von „Geschichten aus der Gruft“, alten EC-Comics, Stephen King, George A. Romero und modernen Horror-Anthologien dürften sich hier sofort zu Hause fühlen.
Weniger passend ist „Creepshow 3“ für Leser, die eine große zusammenhängende Handlung oder besonders tief ausgearbeitete Figuren erwarten. Dafür sind die einzelnen Geschichten bewusst zu kurz und zu sehr auf Idee, Atmosphäre und Schlusswendung konzentriert.
Wer stattdessen eine längere, bildgewaltige Comicwelt sucht, findet in unserer Rook: Exodus Kritik eine völlig andere, aber ebenfalls ausgesprochen ungesunde Reise.
Unser Fazit
Am Ende fällt unsere Creepshow 3 Kritik deutlich positiv aus. Der Band liefert zehn kompakte Horrorgeschichten, ein beeindruckend vielseitiges Kreativteam und genau jene Mischung aus Ekel, Spannung und schwarzem Humor, die der Name „Creepshow“ verspricht.
Nicht jede Geschichte bleibt dauerhaft im Gedächtnis, und einige Wendungen kann man bereits riechen, bevor der Creep überhaupt seine knochigen Finger hebt. Das Anthologieformat sorgt aber dafür, dass schwächere Beiträge nie lange genug bleiben, um die Party vollständig zu ruinieren.
Die visuellen Unterschiede, das hohe Erzähltempo und die Freude am schlechten Geschmack machen den Band zu einer der unterhaltsameren aktuellen Horror-Anthologien.
Kurz gesagt: zehn Albträume, 128 Seiten und vermutlich kein einziger Mensch, der am Ende denkt: „Zum Glück habe ich diese offensichtliche Warnung vollständig ignoriert.“
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