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Rook: Exodus – Mad Max mit Krähenhelm: Dieser Sci-Fi-Kracher sieht verdammt gut aus

COMICS · KRITIK & EMPFEHLUNG

Ein kaputter Planet, genetisch veränderte Tiere und Krieger, die über futuristische Helme ganze Tierschwärme kontrollieren: „Rook: Exodus“ klingt ein bisschen so, als hätten „Mad Max“, „Dune“ und ein sehr schlecht gelaunter Vogelkundler gemeinsam einen Comic entwickelt.

Das könnte gewaltiger Unsinn sein. Ist es aber nicht. Geoff Johns und Jason Fabok liefern stattdessen eine bildgewaltige Science-Fiction-Welt, die bereits nach wenigen Seiten größer, gefährlicher und interessanter wirkt als so manches Filmuniversum nach drei Kinostarts.

Rook Exodus Softcover von Skinless Crow

„Rook: Exodus“ erscheint im August 2026 bei Skinless Crow.

Die Sammler waren schneller als Rooks Krähen
Die drei auf jeweils nur 99 Exemplare limitierten Hardcover-Ausgaben sind beim Comixdealer bereits vollständig vergriffen. Erhältlich bleibt die reguläre Softcover-Ausgabe für 29,50 Euro – mit demselben vollständigen Inhalt.

Willkommen auf Exodus – bitte nicht aussteigen

Jahrhunderte in der Zukunft ist die Erde klimatisch endgültig erledigt. Wer es sich leisten kann, sucht auf künstlich erschaffenen Welten nach einem neuen Leben. Eine dieser Welten ist Exodus: ein von der Firma Better World terraformierter Planet, auf dem Menschen nicht nur das Wetter, sondern auch die gesamte Tierwelt kontrollieren.

Dafür gibt es die sogenannten Wärter. Jeder von ihnen trägt einen speziell gestalteten Helm, der ihn mit einer bestimmten Tierart verbindet. Rook kontrolliert Krähen. Dire Wolf hat – der Name deutet es diskret an – eine etwas haarigere Gefolgschaft. Und dann wäre da noch Swine, dessen Auftritt vermutlich jede Veganergruppe der Zukunft nervös machen dürfte.

Das vermeintliche Paradies ist allerdings längst zusammengebrochen. Das Weltentriebwerk von Exodus funktioniert nicht mehr, die Natur gerät außer Kontrolle und die Macht der Wärter fällt in die falschen Hände. Wohlhabende Bewohner haben den Planeten verlassen. Der Rest darf sehen, wo er bleibt.

Rook steht damit vor einer ziemlich simplen Frage: Fliehen – oder bleiben und gegen Feinde kämpfen, denen er hoffnungslos unterlegen ist?

Der Planet Exodus aus Rook Exodus

Mad Max, Western und ein Hauch Pokémon für Erwachsene

Die Grundidee von Menschen, die über Helme mit Tieren verbunden sind, könnte auf dem Papier schnell etwas albern wirken. Rook wirft aber keine putzigen Taschenmonster in die Arena und ruft auch nicht: „Krähe, du bist dran!“

Geoff Johns behandelt das Konzept vollkommen ernst. Die Verbindung zwischen Mensch, Technik und Tier ist ein Machtinstrument – und damit automatisch auch eine Waffe. Wer gefährlichere Tiere kontrolliert, besitzt auf Exodus einen deutlichen Vorteil. Rooks Krähen eignen sich hervorragend zur Überwachung und Ablenkung, sind gegen gigantische Raubtiere oder schwer bewaffnete Gegner aber nur bedingt beruhigend.

Dadurch entsteht eine reizvolle Mischung aus postapokalyptischer Science-Fiction, Survival, Western und Kriegscomic. Rook ist weniger strahlender Superheld als einsamer Revolvermann, der zufällig keinen Cowboyhut, sondern einen mechanischen Vogelhelm trägt.

Das stärkste Element der Serie

Die Welt wird nicht durch seitenlange Lexikontexte erklärt. Wir lernen Exodus über Ruinen, verlassene Städte, abstürzende Schiffe, ausgetrocknete Landschaften und die verschiedenen Wärter kennen. Der Planet fühlt sich dadurch bereits im ersten Handlungsbogen überraschend groß und bewohnt an.

Jason Fabok zeichnet, als müsste jede Seite ein Poster werden

Man kann über einzelne Storyentscheidungen diskutieren. Über die Zeichnungen eigentlich nicht. Jason Fabok liefert genau jene detailverliebten, wuchtigen Bilder, für die ihn viele Leser seit „Batman: Three Jokers“ und seinen Arbeiten an „Justice League“ schätzen.

Rüstungen, Fahrzeuge, Kreaturen und verfallene Städte wirken massiv und greifbar. Selbst kleine technische Elemente sehen aus, als hätte irgendwo jemand tatsächlich eine Bedienungsanleitung dafür geschrieben. Fabok zeichnet diese Zukunft nicht steril und glatt, sondern schmutzig, kaputt und ständig kurz vor dem nächsten Totalschaden.

Besonders stark sind die großen Landschaftsbilder und Actionszenen. Wenn ein Raumschiff auseinanderbricht, dann zerfällt es hier nicht höflich in drei Teile. Es explodiert mit einer Begeisterung, als hätte der Zeichner für jedes zusätzliche Trümmerstück einen Bonus bekommen.

Actionszene mit einem explodierenden Raumschiff aus Rook Exodus

Die Farben von Brad Anderson unterstützen diesen Eindruck hervorragend. Exodus wird von staubigen Braun-, Orange- und Gelbtönen beherrscht. Der Planet sieht aus, als würde er langsam vertrocknen – und als wäre Sonnencreme dort längst nur noch eine nostalgische Erinnerung.

Die Story lässt sich bewusst Zeit

Ganz ohne Kritik kommt der Band allerdings nicht davon. Johns nimmt sich zunächst viel Zeit, um Rook, Exodus und die Regeln dieser Welt aufzubauen. Wer bereits nach zehn Seiten eine gigantische Schlacht aller Wärter erwartet, muss sich ein wenig gedulden.

Auch Rook selbst bleibt am Anfang eher der klassische schweigsame Überlebende als eine psychologisch bis in den letzten Winkel ausgeleuchtete Figur. Seine Vergangenheit wird angedeutet, sein Verlust ist nachvollziehbar und seine Motivation funktioniert – aber das eigentliche Faszinosum ist zunächst eindeutig die Welt um ihn herum.

Das ist nicht zwingend eine Schwäche. Der Comic liest sich eher wie der Auftakt zu einer großen Science-Fiction-Saga als wie eine abgeschlossene Charakterstudie. Die enthaltenen sechs US-Hefte erzählen zwar einen vollständigen ersten Handlungsbogen, öffnen aber gleichzeitig zahlreiche Türen für kommende Geschichten.

Rook und seine Krähen aus dem Comic Rook Exodus

Geoff Johns kann wieder eine neue Welt bauen

Geoff Johns ist vor allem für seine Arbeiten an Figuren wie Green Lantern, Flash, Aquaman, Justice Society und Shazam bekannt. Bei Ghost Machine kann er nun eigene Welten erschaffen, ohne zuvor jahrzehntelange Kontinuität entwirren zu müssen.

Das merkt man „Rook: Exodus“ an. Johns schreibt hier deutlich zugänglicher als in manchen seiner großen DC-Epen. Es gibt keine fünf Parallelwelten, keine Krisenchronologie und keinen Helden, dessen Ursprung man vor dem Lesen auf Wikipedia nachschlagen müsste.

Stattdessen genügt die erfreulich übersichtliche Ausgangslage: Planet kaputt, Flucht nahezu unmöglich, gefährliche Wärter überall. Viel Glück.

STORY
Geoff Johns
Science-Fiction und Survival
ZEICHNUNGEN
Jason Fabok
detailliert und bildgewaltig
UMFANG
200 Seiten
enthält US-Ausgaben 1–6
PREIS
29,50 €
Softcover bei Skinless Crow

Hardcover verpasst – lohnt sich das Softcover trotzdem?

Ja. Ziemlich eindeutig sogar.

Die drei Hardcover-Varianten waren jeweils auf 99 Exemplare limitiert und richteten sich vor allem an Sammler. Dass alle drei bereits vor dem Erscheinen vergriffen sind, ist ärgerlich für Hardcover-Jäger, sagt über die Qualität der Softcover-Ausgabe aber überhaupt nichts aus.

Inhaltlich bekommt man für 29,50 Euro denselben kompletten ersten Handlungsbogen mit „Rook: Exodus“ #1–6, 200 farbigen Seiten und dem Artwork, wegen dem man diesen Comic überhaupt lesen möchte.

Anders gesagt: Das Hardcover wäre das schickere Raumschiff gewesen. Das Softcover bringt euch trotzdem auf denselben Planeten – und dort ist ohnehin nach fünf Minuten alles kaputt.

Für wen ist „Rook: Exodus“?
Empfehlenswert für Fans von „Mad Max“, „Fallout“, „Dune“, dystopischer Science-Fiction, großen US-Comics und detailreichen Zeichnungen. Wer hauptsächlich intime Charakterdramen oder experimentelle Erzählformen sucht, wird hier vermutlich weniger glücklich.

Unser Fazit

„Rook: Exodus“ erfindet die postapokalyptische Science-Fiction nicht komplett neu. Kaputte Welten, skrupellose Konzerne und einsame Überlebende haben wir schon häufiger gesehen.

Die Verbindung der Wärter mit ihren Tierarten gibt dem Comic jedoch eine starke eigene Identität. Dazu kommt Jason Faboks Artwork, das aus nahezu jeder großen Szene ein potenzielles Poster macht.

Die Handlung braucht etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen, und Rook selbst ist zunächst eher cooler Archetyp als vielschichtiger Charakter. Sobald die verschiedenen Wärter, Machtgruppen und Gefahren von Exodus aufeinandertreffen, entwickelt die Geschichte aber genau den Sog, den ein guter Auftakt benötigt.

Wer Lust auf eine zugängliche, spektakulär gezeichnete Science-Fiction-Saga hat, macht mit diesem Band wenig falsch. Die Hardcover sind weg. Der Comic zum Glück nicht.

UNSERE EINSCHÄTZUNG
STARK EMPFOHLEN
Bildgewaltige Endzeit-Sci-Fi mit großem Serienpotenzial.
Rook: Exodus jetzt vorbestellen
Softcover · 200 Seiten · 29,50 Euro
Voraussichtlich lieferbar ab August 2026.
Rook: Exodus beim Comixdealer
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Produktinformationen und Bildmaterial: Comixdealer . Weitere Informationen: Image Comics / Simon & Schuster und AIPT . Einordnung und Text: Comixdealer Magazin.

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