DCU unter James Gunn: Gute Filme reichen nicht – DC hat ein Hype-Problem
FILME & SERIEN · MEINUNG · DC
Das DCU unter James Gunn hat ein Problem. Und nein, dieses Problem heißt nicht einfach nur „Supergirl“. Viel schwerer wiegt für mich, dass dieses angeblich auf Jahre geplante neue Universum noch immer erstaunlich selten wie ein echtes Ereignis wirkt.
James Gunn kann Filme, und das hat er oft genug bewiesen. „Guardians of the Galaxy“, „The Suicide Squad“, „Peacemaker“ und auch sein „Superman“ zeigen ziemlich deutlich, dass er Figuren versteht, Emotionen inszenieren kann und vor allem ein Talent dafür besitzt, Außenseiter interessant zu machen.
Allerdings ist ein guter Regisseur noch lange kein guter Studiochef.
Genau deshalb müssen wir langsam über ein größeres Problem reden: Dem neuen DC Universe fehlt nicht nur Output. Es fehlt Hype, es fehlt Größe und vor allem fehlt das Gefühl, dass hier gerade etwas entsteht, bei dem man unbedingt dabei sein muss.
„Scheiße. Das muss ich sehen.“
Die Kurzfassung
James Gunn ist für mich weiterhin ein starker Filmemacher. Als Chef von DC Studios überzeugt mich seine bisherige Bilanz jedoch deutlich weniger. Zu viele 2023 groß angekündigte Projekte hängen fest, „Supergirl“ ist an den Kinokassen massiv abgestürzt und selbst eine Bühne wie die San Diego Comic-Con wurde nicht genutzt, um dem DCU einen dringend nötigen großen Live-Action-Moment zu verschaffen. DC hat deshalb nicht nur ein Produktionsproblem. DC hat auch ein Marketing- und Hype-Problem.
DCU unter James Gunn: Erinnern wir uns an die große Ansage von 2023
Im Januar 2023 präsentierten James Gunn und Peter Safran den Beginn ihres neuen DC Universe. „Chapter One: Gods and Monsters“ sollte dabei weit mehr sein als nur eine lose Sammlung neuer Filme.
Allein der Name klang groß – und die Liste war es ebenfalls.
Auf der Filmseite wurden „Superman“, „The Authority“, „The Brave and the Bold“, „Supergirl“ und „Swamp Thing“ angekündigt. Für Fernsehen und Streaming kamen außerdem „Creature Commandos“, „Waller“, „Lanterns“, „Paradise Lost“ und „Booster Gold“ dazu.
Damit standen zehn Projekte im Raum. Filme und Serien sollten miteinander verbunden sein, während Schauspieler ihre Figuren sogar medienübergreifend verkörpern sollten. Gleichzeitig betonte Gunn immer wieder, dass hinter diesem neuen Universum ein langfristiger Plan stecke.
Das wurde also nicht als vorsichtige Wunschliste verkauft.
Es war der Neustart.
Dreieinhalb Jahre später ist vom großen Aufbruch erstaunlich wenig übrig
Natürlich wurde nicht alles abgesagt. „Creature Commandos“, „Superman“ und „Supergirl“ sind erschienen, während „Lanterns“ am 16. August 2026 startet.
Damit sind vier der ursprünglich zehn präsentierten Projekte tatsächlich beim Publikum angekommen.
Nach dreieinhalb Jahren ist das allerdings keine besonders berauschende Bilanz.
Gods and Monsters – Stand August 2026
Creature Commandos: erschienen
Superman: erschienen
Supergirl: erschienen
Lanterns: Start am 16. August
The Authority: nicht mehr aktiv in Entwicklung
The Brave and the Bold: weiterhin ohne konkreten Kinostart
Swamp Thing: weiterhin ohne konkreten Termin
Waller: seit Jahren in Entwicklung
Paradise Lost: weiterhin in Entwicklung
Booster Gold: die zuletzt entwickelte Version wurde gestoppt
Dass sich Entwicklungsprojekte verändern, ist selbstverständlich vollkommen normal. Zudem hat Gunn mit einer Sache absolut recht: Wenn ein Drehbuch nicht funktioniert, sollte man keinen 180- oder 200-Millionen-Dollar-Film drehen, nur weil irgendwann einmal ein Logo auf einer Präsentationsfolie stand.
Genau darin steckt jedoch auch das Problem.
War „The Authority“ 2023 noch gar nicht weit genug entwickelt, stellt sich rückblickend die Frage, warum der Film damals bereits so selbstbewusst als Teil des großen Plans präsentiert wurde. Ähnlich sieht es bei „Booster Gold“ aus: Wenn man drei Jahre später wieder praktisch am Anfang steht, war der damalige Fahrplan offenbar weniger konkret, als es wirkte.
Ein Plan darf sich natürlich verändern. Irgendwann muss ein Studioplan allerdings mehr sein als eine Sammlung interessanter Ideen.
Supergirl ist nicht das ganze Problem – aber der Flop ist ein verdammt lauter Warnschuss
Dann wäre da natürlich noch die Kryptonierin im Raum: „Supergirl“.
James Gunns „Superman“ hatte weltweit rund 618 Millionen Dollar eingespielt. Das war zwar kein gigantisches Marvel-Ergebnis, für den Neustart einer zuletzt ziemlich ramponierten Kinomarke aber dennoch ein ordentlicher Anfang.
Der nächste Film hätte dieses Momentum deshalb eigentlich verstärken müssen. Stattdessen landete „Supergirl“ bei rund 126 Millionen Dollar weltweit – bei einem berichteten Produktionsbudget von mehr als 170 Millionen Dollar.
Da braucht man sich nichts schönzurechnen: Das ist ein Flop. Und zwar kein kleiner.
Vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb gar nicht: „Warum wollten die Leute Supergirl nicht sehen?“
Viel spannender ist: „Warum hat DC ihnen nicht das Gefühl gegeben, dass sie Supergirl sehen MÜSSEN?“
Vor allem fehlte für mich der Eventcharakter. Der Film hätte als zweiter großer Kinobaustein des neuen DC Universe verkauft werden müssen, stattdessen wirkte er außerhalb der Comicbubble viel zu oft einfach wie der nächste Superheldenfilm.
Natürlich gab es Trailer, Werbung und Promotion. Zwischen „Wir haben Werbung geschaltet“ und „Wir haben ein kulturelles Ereignis geschaffen“ liegt allerdings ein ziemlich großer Unterschied.
James Gunn kann Social Media – aber Social Media ist keine Marketingstrategie
Hier komme ich zu einem Punkt, der mich bei Gunn schon länger stört: Er ist permanent online.
James Gunn beantwortet Fanfragen, dementiert Gerüchte und bestätigt Details. Gleichzeitig erklärt er Besetzungen, veröffentlicht Bilder, spricht über Drehbücher und reagiert auf Berichte.
Diese direkte Kommunikation ist durchaus sympathisch, denn dadurch wirkt ein Studiochef greifbarer. Trotzdem habe ich zunehmend das Gefühl, dass DC diese Nähe mit einer echten Marketingstrategie verwechselt.
Ein Threads-Post erreicht schließlich vor allem die Menschen, die James Gunn ohnehin folgen. Ein 170-Millionen-Dollar-Film muss dagegen auch Zuschauer erreichen, die nicht einmal wissen, dass Gunn dort überhaupt aktiv ist.
Ein Filmuniversum dieser Größenordnung braucht MOMENTE.
Dazu gehören Trailer-Reveals, große Bühnen und Cast-Auftritte. Außerdem braucht es Überraschungen, Bilder mit Wiedererkennungswert und Präsentationen, nach denen nicht nur der Saal selbst, sondern anschließend das gesamte Internet darüber redet.
Marvel hat dieses Spiel jahrelang perfektioniert. DC wirkt dagegen momentan manchmal so, als wäre dieser Teil des Geschäfts optional.
Und dann lässt DC ausgerechnet die Comic-Con liegen
Besonders unverständlich finde ich deshalb den Umgang mit der San Diego Comic-Con 2026.
Natürlich war DC dort vertreten. Es gab einen großen Stand, Comics, exklusive Ausgaben, Signings, Animation, Merchandise, Gaming und jede Menge Programm.
Was allerdings fehlte, war der große DC-Studios-Live-Action-Paukenschlag.
Gerade nach „Supergirl“ wäre die Comic-Con die perfekte Gelegenheit gewesen, um dem neuen Universum wieder Momentum zu geben. Schließlich standen mit „Lanterns“, „Clayface“, „Man of Tomorrow“ und dem irgendwann kommenden DCU-Batman genügend Projekte bereit, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Stattdessen blieb der große Hall-H-Moment aus.
Dabei hätte Gunn genau dort auftreten müssen: auf einer großen Bühne, gemeinsam mit Schauspielern, mit neuem Material und möglichst einer Überraschung, über die anschließend zwei Tage lang gesprochen wird.
„Leute, dieses Universum lebt. Und jetzt geht es erst richtig los.“
Denn wenn man die berühmteste Comicmesse der Welt mit tausenden Fans und internationaler Entertainment-Presse nicht nutzt, um das eigene Comic-Filmuniversum groß zu inszenieren – wann dann?
Marvel zeigt gleichzeitig, wie Hype funktioniert
Ausgerechnet Marvel demonstriert im selben Moment, warum solche Auftritte wichtig sind.
Natürlich hatte auch das MCU in den vergangenen Jahren massive Probleme: zu viele Serien, schwankende Qualität und zahlreiche Figuren, von denen man nach ihrem ersten Auftritt jahrelang nichts mehr hört.
Beim Marketing beherrscht Marvel das Spiel jedoch weiterhin.
Kevin Feige taucht in Hall H auf und zeigt exklusives Material aus „Avengers: Doomsday“. Plötzlich stehen Doctor Doom, die Avengers, die Fantastic Four und die X-Men gemeinsam im Mittelpunkt – und innerhalb kürzester Zeit diskutiert die komplette Nerdwelt darüber.
Ob „Avengers: Doomsday“ am Ende überhaupt ein guter Film wird, weiß zu diesem Zeitpunkt kein Mensch. Trotzdem hat Marvel bereits erreicht, dass Millionen Menschen ihn sehen wollen.
Genau darum geht es. Marketing verkauft schließlich nicht den fertigen Film, sondern zuerst einmal die Vorfreude darauf.
Das MCU war einmal deshalb so mächtig, weil das Universum selbst zum Produkt wurde
Marvels vielleicht größte Leistung während der Infinity-Saga bestand nicht darin, dass jeder einzelne Film fantastisch gewesen wäre. Das waren sie nämlich nicht.
Die eigentliche Leistung bestand vielmehr darin, dass das Publikum das Universum selbst sehen wollte.
Man wollte wissen, was als Nächstes passiert, wie Thanos ins Spiel kommt und wann die Avengers wieder zusammentreffen. Außerdem sorgten Post-Credit-Szenen und wiederkehrende Figuren dafür, dass selbst mittelmäßige Filme plötzlich Bedeutung bekamen.
Genau dieses Gefühl fehlt mir beim DCU bisher.
Natürlich sehe ich einzelne Verbindungen und Figuren, die wieder auftauchen können. Trotzdem spüre ich noch nicht dieses:
„Verdammt, ich muss wissen, wie dieses Universum weitergeht.“
Das Verrückte: DC hätte eigentlich die besseren Voraussetzungen
Dabei müsste es DC eigentlich leichter haben als fast jedem anderen Studio.
Mit Batman, Superman und Wonder Woman besitzt man drei der bekanntesten Superhelden überhaupt. Hinzu kommen Green Lantern, Flash, Aquaman, Nightwing, Robin, die Teen Titans und die Justice League.
Außerdem könnte man mit Swamp Thing, Constantine oder Lobo völlig andere Ecken dieses Universums erschließen.
Das ist keine schwierige Ausgangslage. Das ist eine verdammte Goldmine.
Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass wir dreieinhalb Jahre nach Gunns großer Präsentation immer noch darüber sprechen, wann der neue Batman überhaupt konkret wird und welche der damals angekündigten Projekte vielleicht irgendwann tatsächlich gedreht werden.
Auf Dauer darf das nicht der Zustand eines angeblich auf Jahre angelegten Universums sein.
Gunns „Qualität vor Geschwindigkeit“-Ansatz ist richtig – aber eben nur die halbe Arbeit
Einen Punkt möchte ich Gunn ausdrücklich zugutehalten: Seine Haltung, dass kein Film gedreht werden soll, bevor das Drehbuch funktioniert, ist richtig.
Wenn „The Authority“ kein gutes Skript besitzt, sollte man den Film nicht drehen. Ist „Swamp Thing“ noch nicht bereit, wartet man eben. Und funktioniert der neue Batman noch nicht, sehe ich lieber zwei Jahre später einen guten Film als sofort irgendeinen hektisch zusammengeschraubten 200-Millionen-Dollar-Klotz.
Wir haben beim alten DCEU schließlich oft genug erlebt, was passiert, wenn Release-Termine wichtiger werden als fertige Geschichten.
„Wir produzieren nur gute Drehbücher“ ist allerdings eine Produktionsphilosophie. Es ist noch keine Markenstrategie.
Beides lässt sich nämlich verbinden. DC kann sorgfältig entwickeln und gleichzeitig Begeisterung erzeugen. Ebenso lassen sich falsche Starttermine vermeiden, ohne die Öffentlichkeit darüber im Unklaren zu lassen, wohin die Reise grundsätzlich geht.
Qualität über Quantität zu stellen bedeutet schließlich nicht, dass man auf große Marketingmomente verzichten muss.
James Gunn ist ein guter Regisseur – aber ist er wirklich ein Studioboss?
Damit kommen wir zum Kern meiner Kritik.
Ich halte James Gunn für einen besseren Filmemacher als Studiomanager. Das ist überhaupt keine Beleidigung, denn beide Jobs benötigen vollkommen unterschiedliche Fähigkeiten.
Während ein Regisseur einen Film verstehen muss, trägt ein Studiochef Verantwortung für eine komplette Marke. Dazu gehören langfristige Prioritäten, die Koordination verschiedener Produktionen, Talentbindung, Marketing und vor allem die Fähigkeit, eine Vision nach außen zu verkaufen.
Gunn schreibt und inszeniert selbst, produziert weitere Projekte und entwickelt gleichzeitig das größere DCU. Zusätzlich ist er dessen wichtigstes öffentliches Sprachrohr und kommuniziert nahezu permanent direkt mit den Fans.
Vielleicht ist das schlicht zu viel für eine Person.
Christopher Nolan muss schließlich nicht Warner Bros. leiten, nur weil er fantastische Filme drehen kann. Ebenso musste Steven Spielberg nie CEO von Universal werden.
Deshalb muss auch James Gunn nicht automatisch in jedem Bereich der beste Mann für DC sein, nur weil er versteht, wie Superman geschrieben werden sollte.
Meine größte Kritik
Bei Gunn sehe ich einen kreativen Filmemacher mit vielen Ideen. Was ich bisher zu selten sehe, ist der Visionär, der DC nach außen wieder wie die größte Superheldenmarke der Welt wirken lässt.
DC muss endlich wieder dieses „Scheiße, das muss ich sehen“-Gefühl erzeugen
Deshalb brauche ich auch keine neue Präsentation mit zwölf Logos.
Vier konkrete Projekte wären mir deutlich lieber. Diese sollten allerdings besetzt sein, sich in echter Entwicklung oder Produktion befinden und bereits eine erkennbare Identität besitzen.
Danach muss DC sie auch entsprechend verkaufen: mit starken Trailern, großen Bühnen, CinemaCon, Comic-Con, Sportevents und Auftritten der Schauspieler.
Vor allem müssen Fans wieder das Gefühl bekommen, etwas verpassen zu können.
Denn genau davon lebt ein Universum.
Mein Fazit: DC braucht James Gunn – aber DC braucht mehr als James Gunn
Ich will James Gunn nicht loswerden. Ganz im Gegenteil.
Ich möchte, dass er weiterhin Filme macht, Figuren entwickelt und seine kreativen Ideen ins DCU einbringt.
Trotzdem muss man vielleicht akzeptieren, dass kreative Führung und Studiomanagement nicht dasselbe sind.
„Supergirl“ ist deshalb noch lange nicht der Untergang des DCU, denn ein einzelner Flop kann passieren.
Zusammen mit den stockenden Projekten, der schwachen öffentlichen Wahrnehmung und einer verschenkt wirkenden Comic-Con-Chance entsteht allerdings langsam ein Muster.
DC schafft es momentan nicht, dieses Universum so groß wirken zu lassen, wie es angesichts von Batman, Superman, Wonder Woman und der Justice League eigentlich sein müsste.
Gute Filme sind die Grundlage. Aber wenn niemand heiß darauf ist, sie zu sehen, reicht selbst das beste Drehbuch irgendwann nicht mehr.
Wie seht ihr das?
Ist James Gunn der richtige Mann für die Spitze von DC Studios? Braucht das DCU einfach noch Zeit – oder fehlt euch ebenfalls der große Hype und eine klar erkennbare Vision? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.
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Quellen: SuperHeroHype, DC – Gods and Monsters, DC – San Diego Comic-Con 2026, Deadline und Variety. Bildmaterial: DC / DC Studios / Warner Bros. Pictures. Einordnung und Meinung: Comixdealer Magazin.
