Smallville im Rewatch: Warum die Serie trotz aller Schwächen ein Meilenstein bleibt!
SERIEN · MEINUNG · REWATCH
Mein Smallville Rewatch begann im März. Zehn Staffeln später bin ich wieder dort angekommen, wo Clark Kents lange Reise begann: auf einer Farm in Kansas, zwischen Highschool, Kryptonit, erster Liebe, Familienkonflikten und der Frage, welcher Mensch Clark eines Tages sein möchte.
Ich hatte die Serie bereits damals während ihrer ursprünglichen Ausstrahlung gesehen. Die ersten Staffeln mochte ich sehr. Mit den Jahren wurde ich jedoch immer unzufriedener. Spätestens nach dem Weggang von Lex Luthor und dem Verlust weiterer zentraler Figuren fühlte sich „Smallville“ für mich zunehmend wie eine andere Serie an.
Beim zweiten vollständigen Durchlauf sehe ich die Schwächen ab Staffel 7 noch immer. Diesmal bin ich aber deutlich wohlwollender. Auch die letzten Staffeln besitzen starke Figuren, spannende Ideen und einzelne Episoden, die mich emotional härter getroffen haben, als ich erwartet hatte.
Dieser Artikel spricht offen über Figuren und Entwicklungen aus allen zehn Staffeln von „Smallville“.
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Der offizielle Teaser zur ersten Staffel. Video: Warner Bros. Entertainment
Smallville Rewatch: Zurück in eine andere Fernsehzeit
„Smallville“ wirkt heute wie eine Zeitkapsel.
Nicht nur wegen der Kleidung, der Frisuren oder der Mobiltelefone. Die ganze Art, wie die Serie erzählt wird, stammt aus einer Fernsehzeit, in der eine Staffel noch mehr als zwanzig Episoden besitzen durfte und nicht jede Szene sofort die nächste große Enthüllung vorbereiten musste.
Das führt zu Füllfolgen, Wiederholungen und gelegentlich ziemlich albernen Kryptonitgegnern. Gleichzeitig gibt es den Figuren Raum.
Clark, Lana, Lex, Chloe, Pete, Jonathan und Martha dürfen miteinander leben. Sie unterhalten sich in Küchen, Scheunen und Schulfluren. Sie verlieben sich, belügen sich, versöhnen sich und machen dieselben Fehler manchmal mehrmals.
Das ist nicht immer elegant. Aber es erzeugt eine Bindung, die viele heutige Serien mit acht hektischen Episoden kaum noch aufbauen können.
Die frühen Staffeln waren eine Teenieserie – und genau das war ihre Stärke
Die ersten Staffeln funktionieren für mich bis heute am besten.
„Smallville“ war damals keine klassische Superheldenserie. Es war eine Teenieserie über Freundschaft, erste Liebe, Familie, Außenseitertum und das Gefühl, nicht in die eigene Umgebung zu passen.
Clark besaß übermenschliche Kräfte, doch seine wichtigsten Probleme ließen sich nicht mit Supergeschwindigkeit lösen.
Er liebte Lana, konnte ihr aber nicht die Wahrheit sagen. Er wollte ein normaler Jugendlicher sein, wusste aber, dass sein Leben niemals normal sein würde. Seine Eltern wollten ihn schützen und mussten gleichzeitig lernen, ihn irgendwann loszulassen.
Die Superheldenelemente waren vorhanden, aber sie überwucherten die Figuren noch nicht.
Das berühmte „Freak of the Week“-Schema wurde natürlich schnell formelhaft. Fast jede Woche entwickelte jemand durch Meteoriten-Kryptonit neue Fähigkeiten und begann kurz darauf, die Umgebung zu terrorisieren.
Aber selbst diese Gegner spiegelten häufig Clarks Konflikte. Hinter den Monstern steckten Geschichten über Einsamkeit, Ausgrenzung, Begehren, Eifersucht oder Kontrollverlust.
Der Superheldenanteil war das Gewürz. Die Figuren waren das eigentliche Gericht.
Clark musste noch keine Weltuntergänge verhindern. Er musste lernen, ehrlich zu sein, Verantwortung zu übernehmen und mit dem Gefühl zu leben, gleichzeitig außergewöhnlich und vollkommen verloren zu sein.
Der Soundtrack machte Smallville zu einer Zeitmaschine
Zu den größten Stärken der frühen Jahre gehört für mich die Musik.
Schon „Save Me“ von Remy Zero gehört so fest zur Serie, dass die ersten Takte ausreichen, um mich sofort wieder in diese Welt zurückzuversetzen.
Aber auch innerhalb der Folgen wurden die Songs der damaligen Zeit nicht einfach als Hintergrundbeschallung verwendet.
Sie begleiteten Liebeskummer, Einsamkeit, Hoffnung und jene ruhigen Momente, in denen Clark am Ende einer Episode wieder allein in der Scheune stand.
Lifehouse, Five for Fighting, Weezer, Depeche Mode, Breaking Benjamin und viele weitere Künstler machten die Serie zu einer musikalischen Momentaufnahme der frühen 2000er.
Manche Songs sind so eng mit bestimmten Szenen verbunden, dass wenige Takte ausreichen, um komplette Bilder und Gefühle zurückzubringen.
Später verliert diese Form der Musikauswahl immer stärker an Bedeutung. Die Serie besitzt natürlich weiterhin Musik und Score, aber die Songs kommentieren die Figuren nicht mehr auf dieselbe Weise.
Dadurch geht ein Teil der besonderen Atmosphäre verloren. „Smallville“ klingt irgendwann nicht mehr wie „Smallville“, sondern zunehmend wie eine gewöhnliche Genre-Serie.
Jonathan und Martha Kent waren die Seele der Serie
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Superman-Verfilmungen bestand darin, wie viel Zeit „Smallville“ der Familie Kent gab.
Jonathan und Martha waren nicht nur die freundlichen Eltern, die Clark seine Herkunft erklärten. Sie waren über Jahre aktive Figuren mit eigenen Fehlern, Ängsten und Konflikten.
Jonathan vermittelte Clark seine moralische Haltung. Gleichzeitig war er stur, misstrauisch und gegenüber den Luthors nicht immer gerecht.
Martha war häufig die ruhigere Kraft, aber keineswegs nur die verständnisvolle Mutter am Küchentisch.
Gemeinsam machten sie aus Clark nicht einfach einen Außerirdischen mit gewaltigen Kräften. Sie gaben ihm eine Vorstellung von Verantwortung, Mitgefühl und Menschlichkeit.
Gerade beim Rewatch fällt auf, wie viel die Serie verliert, sobald die Farm und die Familie nicht mehr ihr emotionales Zentrum bilden.
Metropolis, das Daily Planet und die größere DC-Welt bringen neue Möglichkeiten. Die Wärme der frühen Staffeln lässt sich aber nicht durch weitere Helden und Bösewichte ersetzen.
Michael Rosenbaums Lex Luthor bleibt unerreicht
Für mich ist Michael Rosenbaums Lex Luthor noch immer der beste Live-Action-Bösewicht, den eine Comicverfilmung hervorgebracht hat.
Der entscheidende Grund ist einfach: Lex beginnt nicht als Bösewicht.
Als Clark ihn kennenlernt, ist Lex charmant, intelligent, großzügig und aufrichtig daran interessiert, sich vom Einfluss seines Vaters zu lösen. Er möchte beweisen, dass er ein anderer Mensch sein kann als Lionel.
Gleichzeitig trägt er bereits die Eigenschaften in sich, die ihn später zerstören: Kontrollzwang, Misstrauen, Stolz und die beinahe krankhafte Notwendigkeit, jedes Geheimnis aufzudecken.
Die Freundschaft zwischen Clark und Lex ist deshalb nicht nur eine clevere Abweichung von der bekannten Superman-Geschichte. Sie ist das tragische Zentrum der gesamten Serie.
Wir wissen von Anfang an, wohin diese Beziehung führen wird. Trotzdem hofft man immer wieder, dass beide einen anderen Weg finden könnten.
Clark lügt Lex an, weil er sein Geheimnis schützen muss. Lex spürt diese Lügen, beginnt nachzuforschen und liefert Clark damit immer neue Gründe, ihm nicht zu vertrauen.
Beide tragen zum Zusammenbruch ihrer Freundschaft bei.
Rosenbaum spielt diesen langsamen Verfall großartig. Sein Lex ist verletzlich, bedrohlich, witzig und manipulativ – manchmal innerhalb derselben Szene.
Lionel Luthor war beinahe genauso wichtig
Auch Lionel Luthor war wesentlich mehr als der reiche und skrupellose Vater, der Lex regelmäßig das Leben schwer machte.
John Glover verlieh ihm eine Präsenz, durch die selbst ein ruhiges Gespräch wie ein Machtkampf wirkte.
Lionel war grausam, manipulativ und häufig genau der Mensch, zu dem Lex niemals werden wollte. Gleichzeitig entwickelte sich seine Rolle im Verlauf der Serie auf unerwartete Weise.
Die Beziehung zwischen Lionel und Lex verlieh den frühen und mittleren Staffeln eine zusätzliche Tragik.
Es ging nicht nur darum, wann Lex zum Feind von Superman wird. Es ging darum, ob ein misshandelter Sohn seinem Vater entkommen kann oder dessen Methoden irgendwann selbst übernimmt.
Nach dem Verlust von Lex und Lionel fehlt der Serie genau diese Form von persönlichem Konflikt.
Spätere Gegner mögen mächtiger sein. Sie besitzen aber selten dieselbe emotionale Verbindung zu Clark und zur Geschichte.
Lana Lang: emotional wichtig und irgendwann eine Endlosschleife
Lana gehört untrennbar zu den frühen Staffeln.
Ihre Beziehung zu Clark bildet lange Zeit das emotionale Zentrum der Serie. Gerade in den ersten Jahren funktioniert diese unerfüllte Nähe, weil beide noch jung sind und Clark sein Geheimnis nicht offenbaren kann.
Irgendwann wird aus dem tragischen Grundkonflikt jedoch eine Schleife.
Clark will Lana die Wahrheit sagen, entscheidet sich dagegen, verliert sie, gewinnt sie zurück und beginnt erneut zu lügen.
Lana wiederum erhält immer neue Geheimnisse, Beziehungen und Wendungen, damit die Serie das unvermeidliche Ende weiter hinauszögern kann.
Beim Rewatch wird besonders deutlich, wie sehr diese Wiederholungen die mittleren Staffeln belasten.
Das liegt nicht an Lana als Figur oder an Kristin Kreuks Darstellung. Es liegt daran, dass die Autoren eine Beziehung länger am Leben halten, als ihre natürliche Entwicklung eigentlich erlaubt.
Lois Lane bringt eine neue Energie
Mit Lois Lane bekommt „Smallville“ eine Figur, die sofort eine andere Dynamik erzeugt.
Lois idealisiert Clark nicht. Sie neckt ihn, widerspricht ihm und nimmt seine melodramatischen Phasen nicht besonders ernst.
Die Chemie zwischen beiden entsteht deshalb nicht aus sehnsüchtigen Blicken über mehrere Scheunenböden hinweg, sondern aus Reibung.
Erica Durance schafft es, die bekannte Energie von Lois Lane einzufangen, ohne eine Kopie früherer Darstellungen zu liefern.
Gerade in den späteren Staffeln wird die Beziehung zwischen Clark und Lois zu einem der wichtigsten Gründe, weiterzuschauen.
Die Serie benötigt lange, um dort anzukommen. Als sie es endlich tut, fühlt es sich jedoch verdient an.
Die selbst geschaffene Mythologie war eine gewaltige Leistung
„Smallville“ nahm bekannte Elemente der Superman-Geschichte und formte daraus eine eigene Mythologie.
Die Meteoritenschauer verbanden Clarks Ankunft mit den Schicksalen nahezu aller Menschen in seiner Umgebung. Kryptonit war nicht nur eine Schwäche, sondern eine Kraft, die Smallville für immer verändert hatte.
Die Höhlen, die Symbole, die Steine des Wissens, die Festung der Einsamkeit und Jor-Els oft erschreckend unpersönliche Stimme bildeten eine Version der Superman-Legende, die sich deutlich von Filmen und Comics unterschied.
Nicht jede Erweiterung war überzeugend und manches wurde über die Jahre unnötig kompliziert. Trotzdem entstand eine eigene Welt mit Regeln, Bildsprache und wiederkehrenden Motiven.
Die Serie konsumierte nicht nur vorhandenes Comicmaterial. Sie entwickelte Ideen, Beziehungen und Figuren weiter und gab der Superman-Mythologie damit selbst etwas zurück.
Smallville öffnete die Tür zu einem größeren DC-Universum
Mit den Jahren wurde aus Clarks persönlicher Herkunftsgeschichte zunehmend ein größeres DC-Universum.
Green Arrow, Impulse, Aquaman, Cyborg, Black Canary, Supergirl, die Justice Society und die Legion of Super-Heroes erschienen nach und nach in Clarks Welt.
Das war noch kein modernes Shared Universe mit einem minutiös geplanten Veröffentlichungsfahrplan.
Gerade deshalb wirkte es häufig organischer. Die Figuren tauchten auf, weil ihre Geschichten Clark berührten – nicht nur, weil in drei Monaten ein Crossover verkauft werden musste.
Ab Staffel 7 werden die Risse unübersehbar
Auch beim zweiten Durchlauf beginnen für mich ab der siebten Staffel die größeren Probleme.
Die Serie hat ihre ursprüngliche Highschool-Identität längst verlassen, aber noch keinen vollständig überzeugenden Ersatz gefunden.
Die kryptonische Mythologie wird immer umfangreicher, Beziehungen werden künstlich verlängert und manche Figuren wirken, als müssten sie vor allem deshalb bleiben, weil die Serie selbst noch nicht enden soll.
Gleichzeitig verliert „Smallville“ nach dieser Phase mehrere seiner stärksten Säulen.
Lex verschwindet aus dem regulären Zentrum. Lionel ist nicht mehr da. Lana verabschiedet sich nach einem späteren Handlungsbogen endgültig.
Damit endet im Grunde die ursprüngliche Serie.
Was danach folgt, ist fast ein Spin-off mit demselben Hauptdarsteller: mehr Metropolis, mehr Daily Planet, mehr Kostümhelden und deutlich weniger Kleinstadt-Coming-of-Age.
Damals empfand ich diesen Wechsel fast ausschließlich als Verlust. Beim Rewatch erkenne ich stärker, dass darin auch eine Chance lag.
Die Serie musste sich verändern, wenn Clark nicht für immer der traurige Junge in der Scheune bleiben sollte.
Staffel 8: Ein mutiger Neustart mit dem falschen Endgegner
Staffel 8 verdient rückblickend mehr Anerkennung, als ich ihr damals gegeben habe.
Die Serie versucht tatsächlich, sich neu zu erfinden. Clark arbeitet beim Daily Planet, Metropolis wird wichtiger und die Beziehung zu Lois rückt langsam in den Mittelpunkt.
Auch Tess Mercer ist keine schlechte Ergänzung. Sie kann Lex nicht ersetzen, bringt aber neue Konflikte und eine interessante moralische Unsicherheit mit.
Das große Problem ist Doomsday.
Doomsday gehört zur absoluten Spitze von Supermans Gegnern. Er ist die Kreatur, die in den Comics untrennbar mit dem Tod Supermans verbunden ist.
Ihn in eine Serie einzubauen, in der Clark noch immer nicht Superman ist, fühlt sich bereits grundsätzlich verfrüht an.
Die Idee, Doomsday zunächst als Davis Bloome zu zeigen, ist trotzdem spannend. Sam Witwer verleiht Davis Menschlichkeit, Verzweiflung und eine tragische Seite.
Der Aufbau ist stellenweise stärker als die eigentliche Monsterhandlung.
Gerade deshalb enttäuscht mich der Abschluss. Nach einer ganzen Staffel voller Vorbereitungen endet die entscheidende Konfrontation viel zu schnell und besitzt nicht annähernd das Gewicht, das Doomsday haben müsste.
Eine der größten Figuren der Superman-Mythologie wird verwendet, bevor die Serie die Möglichkeiten besitzt, ihr wirklich gerecht zu werden.
Staffel 9: Zod funktioniert überraschend gut
Auch Zod ist eigentlich ein Gegner aus der höchsten Gewichtsklasse.
Trotzdem funktioniert Staffel 9 für mich deutlich besser als die Doomsday-Geschichte.
Die Kandorianer, ihr Misstrauen gegenüber den Menschen und Clarks Versuch, einen friedlichen Weg zu finden, passen zu den zentralen Themen der Serie.
Clark steht zwischen seiner kryptonischen Herkunft und der Welt, in der er aufgewachsen ist.
Zod ist dadurch nicht nur ein mächtiger Gegner. Er stellt Clark eine ideologische Frage: Wem gehört seine Loyalität?
Die Staffel besitzt eine düsterere Atmosphäre, ein klareres Ziel und einen Konflikt, der sich tatsächlich über die gesamte Handlung entwickelt.
Für mich ist sie deshalb die stärkste der drei letzten Staffeln.
Staffel 10 ist Abschied, Fanservice und manchmal zu viel auf einmal
Die letzte Staffel weiß, dass sie ein Abschied ist.
Alte Figuren kehren zurück, offene Beziehungen werden abgeschlossen und nahezu jede Ecke der bisherigen Mythologie erhält noch einmal einen Moment.
Das kann sehr schön sein. Es kann aber auch überladen wirken.
Die Staffel möchte gleichzeitig Darkseid erzählen, Clark endgültig zu Superman führen, Lois und Clark zusammenbringen, Oliver weiterentwickeln, alte Gäste zurückholen und zehn Jahre Seriengeschichte feiern.
Nicht alles bekommt genügend Raum.
Darkseid bleibt für einen Gegner dieser Größenordnung zu abstrakt und zu wenig greifbar. Manche Rückkehr wirkt organisch, andere eher wie ein Punkt auf einer Jubiläumscheckliste.
Trotzdem besitzt die letzte Staffel Folgen, die nur möglich sind, weil wir diese Figuren so lange begleitet haben.
„Homecoming“ hat mich beim zweiten Mal zum Weinen gebracht
Die vierte Episode der zehnten Staffel trägt im Original den Titel „Homecoming“ und ist zugleich die 200. Folge der Serie.
Brainiac 5 führt Clark darin durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Konstruktion erinnert bewusst an „A Christmas Carol“.
Clark wird gezeigt, was ihn innerlich zurückhält.
Es ist nicht seine fehlende Kraft. Es ist sein Festhalten an Schuld, Verlust und der Angst, nicht gut genug zu sein.
Besonders der Blick auf Jonathans Tod trifft Clark dort, wo die Serie am stärksten ist: nicht bei Superkräften, sondern bei Familie und Selbstzweifeln.
Brainiac zeigt ihm, dass er die Vergangenheit nicht dadurch ehrt, dass er sich für immer von ihr bestrafen lässt.
Gleichzeitig sieht Clark eine mögliche Zukunft mit Lois und am Daily Planet. Er erkennt, dass er nicht nur lernen muss, seine Vergangenheit loszulassen. Er muss sich auch erlauben, an seine Zukunft zu glauben.
Diese Folge hat mich beim Rewatch zum Weinen gebracht.
Vielleicht, weil ich inzwischen älter bin. Vielleicht, weil die Themen Schuld, verlorene Zeit und die Angst vor dem nächsten Schritt heute anders wirken als damals.
Vor allem aber, weil „Homecoming“ alles zusammenfasst, was „Smallville“ im besten Fall sein konnte: eine Geschichte darüber, dass der größte Gegner nicht immer von einem anderen Planeten kommt.
Das Finale funktioniert emotional besser als visuell
Das Serienfinale besitzt Momente, die emotional funktionieren.
Lex kehrt zurück. Clark muss seine Vergangenheit annehmen. Jonathan und Martha erhalten noch einmal ihren Platz. Die Serie schließt den Kreis zwischen dem Jungen auf der Farm und dem Symbol, das er werden soll.
Trotzdem bleibt eine gewisse Frustration.
Zehn Jahre lang erzählt „Smallville“ den Weg zu Superman. Im entscheidenden Moment scheint die Serie jedoch noch immer Angst davor zu haben, Superman wirklich zu zeigen.
Das Kostüm bleibt auf Distanz, manche Bilder sind bewusst kurz gehalten und der große Augenblick fühlt sich teilweise eher angedeutet als vollständig eingelöst an.
Ich verstehe das Grundprinzip „No tights, no flights“. Es war wichtig für die Identität der Serie.
Nach zehn Staffeln hätte die Verwandlung aber einen etwas mutigeren und greifbareren Abschluss verdient gehabt.
Emotional kommt das Finale an. Visuell bleibt es einen letzten Schritt schuldig.
War Smallville ein Vorläufer des MCU?
„Smallville“ war natürlich kein direktes Konzeptpapier für das Marvel Cinematic Universe.
Trotzdem sehe ich die Serie als einen wichtigen Wegbereiter jener Superheldenwelle, die später das gesamte Unterhaltungskino und Fernsehen dominierte.
Sie zeigte über zehn Jahre hinweg, dass Comicfiguren nicht nur in zweistündigen Filmen funktionieren.
Ein Publikum war bereit, langfristig einer Mythologie zu folgen, wiederkehrende Figuren kennenzulernen und schrittweise ein größeres Universum entstehen zu sehen.
Die verschiedenen DC-Helden wurden nicht in einem einzigen großen Crossover abgeladen. Sie erschienen nach und nach in Clarks Welt.
Das war noch kein Shared Universe in heutiger Form. Aber es half dabei, serielles Superheldenerzählen für ein großes Fernsehpublikum zu normalisieren.
Ohne „Smallville“ wäre der spätere Weg zu „Arrow“, „The Flash“ und dem Arrowverse zumindest schwerer vorstellbar.
Noch bevor Superheldenuniversen zur Popkulturmaschine wurden, bewies diese Serie, dass Zuschauer jahrelang bei der Entwicklung eines Helden bleiben können.
Ein Gesamtwerk, das als Gesamtwerk bewertet werden muss
Es wäre leicht, „Smallville“ heute nur nach seinen schwächsten Effekten, den wiederholten Beziehungsdramen oder den enttäuschenden Umsetzungen großer Bösewichte zu beurteilen.
Damit würde man der Serie aber nicht gerecht.
Zehn Staffeln sind kein sauber geplanter Roman. Sie sind ein gewaltiges Fernsehprojekt, das sich mehrfach neu erfinden, Darstellerverluste auffangen und auf eine sich verändernde Medienlandschaft reagieren musste.
Manche Entscheidungen funktionieren. Andere tun es bis heute nicht.
Entscheidend ist für mich, was am Ende bleibt.
Es bleiben die Farm, die Scheune und die warmen Farben der frühen Staffeln. Es bleiben Jonathan und Martha. Es bleiben Songs, die sofort ganze Szenen zurückbringen.
Es bleibt die tragische Freundschaft zwischen Clark und Lex.
Es bleibt Lois, die der Serie neue Energie gibt. Es bleibt „Homecoming“, eine Folge über Schuld und die Erlaubnis, weiterzugehen.
Und es bleibt eine eigenständige Version der Superman-Mythologie, die sich ihre Bedeutung längst verdient hat.
Smallville Rewatch: Mein Fazit nach zehn Staffeln
Nach meinem vollständigen Smallville Rewatch bin ich versöhnlicher als damals.
Die Schwächen der späteren Staffeln sind nicht verschwunden. Ab Staffel 7 wird die Serie ungleichmäßiger. Nach dem Weggang von Lex und Lionel fehlt ein Teil ihres emotionalen Fundaments.
Doomsday wird zu früh und letztlich zu klein eingesetzt. Darkseid bleibt blass. Manche Handlung ist überladen, andere wird viel zu schnell beendet.
Trotzdem habe ich in den letzten Staffeln mehr Stärken entdeckt, als ich in Erinnerung hatte.
Die Entwicklung von Lois und Clark trägt große Teile der späteren Serie. Staffel 9 findet eine überzeugende neue Identität. Staffel 10 besitzt trotz ihrer Überladung echte emotionale Höhepunkte.
Die ersten Staffeln bleiben für mich dennoch die besten.
Nicht weil dort die größten Bösewichte oder spektakulärsten Kämpfe zu sehen sind. Sondern weil „Smallville“ damals vor allem eine Serie über Menschen war.
Eine Teenieserie, die ein wenig Superman enthielt – und gerade dadurch verstand, warum Superman überhaupt wichtig ist.
Michael Rosenbaums Lex Luthor bleibt für mich der beste Live-Action- Comicbösewicht. Die Freundschaft und spätere Feindschaft mit Clark ist das große tragische Meisterstück der Serie.
„Smallville“ ist widersprüchlich, manchmal kitschig, häufig zu lang und stellenweise wundervoll.
Es ist kein makelloses Werk.
Aber es ist ein Meilenstein.
Die späteren Schwächen verändern nicht, was „Smallville“ für das Superheldengenre geleistet hat. Die Serie brachte Comicmythologie, Teeniedrama und langfristige Figurenentwicklung zusammen, lange bevor miteinander verknüpfte Superheldenwelten selbstverständlich wurden.
Vor allem aber erzählte sie über zehn Jahre, dass Clark Kent nicht durch seine Kräfte zu Superman wird. Er wird es durch die Menschen, die ihn lieben, enttäuschen, erziehen, herausfordern und manchmal verlassen.
Zehn Staffeln voller Freundschaft, Kryptonit, großer Gefühle und einer der besten Lex-Luthor-Geschichten, die je für Film oder Fernsehen umgesetzt wurden.
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WhatsApp-Kanal abonnierenQuellen: DC – The Legacy of Smallville , DC – Lex Luthor in Smallville , Apple TV – Homecoming , Warner Bros. – Smallville und Joyn – Smallville . Offizielle Episodenbilder: Warner Bros. Entertainment über Joyn. Meinungsartikel: Alexander Janetzki, Comixdealer Magazin.
