Lanterns Episode 3 Kritik: John Stewart verändert alles
Die Lanterns Episode 3 Kritik beginnt mit einer kleinen Enttäuschung – und endet für mich mit der Erkenntnis, dass „OutKast“ wahrscheinlich genau die Folge war, die diese Serie jetzt gebraucht hat.
Nach dem Sinestro-Cliffhanger der zweiten Episode wollte ich natürlich wissen, wie es weitergeht.
Stattdessen sagt „Lanterns“ praktisch:
Nein.
Heute reden wir über John Stewart.
Und nur über John Stewart.
Kein Rushville.
Keine Manhunter-Jagd.
Kein Fortschritt beim Mordfall.
Dafür bekommen wir fast ein komplettes Leben – erzählt als ungewöhnliches Bewerbungsgespräch mit einem Guardian.
Und je länger die Episode läuft, desto mehr versteht man plötzlich, warum Aaron Pierres John so kontrolliert, so kühl und teilweise beinahe unnahbar wirkt.
John Stewart wurde nicht einfach zum Green Lantern ausgewählt. Diese Version von John wurde praktisch sein gesamtes Leben darauf vorbereitet, einer zu werden.
Kurz eingeordnet
„OutKast“ stoppt die Haupthandlung fast vollständig und erzählt stattdessen John Stewarts Vergangenheit. Das ist riskant, funktioniert für mich aber hervorragend. Die Episode verwandelt Johns bisherige Reserviertheit in tragische Konsequenz, gibt seinen Eltern überraschend viel Tiefe und erklärt zugleich, warum die Guardians ihn überhaupt in Hals Nähe gebracht haben. Die neue Origin weicht deutlich von den Comics ab und wird nicht jedem Fan gefallen. Als Charakterdrama ist das bisher allerdings die stärkste Stunde von „Lanterns“.
Ein Bewerbungsgespräch für den mächtigsten Job der Erde
Die Rahmenhandlung ist wunderbar merkwürdig.
John fällt in einem verlassenen Einkaufszentrum mehrere Stockwerke tief auf einen Stapel Matratzen.
Danach folgt er Pfeilen zu einem Büro.
Dort wartet eine Frau auf ihn.
Laura Linney.
Oder genauer gesagt:
Ein Guardian in menschlicher Gestalt.
Sie bittet John zu warten.
Also wartet er.
Stundenlang.
Natürlich ist bereits das ein Test.
Denn genau so funktioniert Johns gesamtes Leben.
Jemand stellt eine Aufgabe.
John erfüllt sie.
Keine Beschwerden.
Keine Ausreden.
Kein Versagen.
Das Gespräch springt anschließend immer wieder durch Johns Vergangenheit.
Zunächst wirkt diese Konstruktion fast wie ein erzählerischer Trick.
Doch sie ergibt Sinn.
Denn John selbst betrachtet sein Leben inzwischen offenbar genauso:
als lange Prüfung.
Eigentlich hätte Johns Vater Green Lantern werden können
Der entscheidende Moment passiert, als John noch ein Baby ist.
Sein Vater John Stewart Sr. wird nachts von grüner Energie aus dem Bett gehoben.
Eine Stimme stellt ihm die berühmte Frage:
„Hast du Angst?“
John Sr. antwortet ehrlich.
Ja.
Damit ist die Sache vorbei.
Die Macht zieht weiter.
Und irgendwann landet sie bei Hal Jordan.
Später sieht John Sr. Hal im Fernsehen und erkennt, was passiert ist.
Er war beinahe Green Lantern.
Und er hat versagt.
Und hier wird „OutKast“ zum ersten Mal richtig stark.
Denn die Episode stellt die vermeintlich einfache Green-Lantern-Regel infrage.
„Ein Green Lantern darf keine Angst haben.“
Klingt im Comic schön heroisch.
Aber was bedeutet das eigentlich?
Johns Mutter Bernadette bringt das später ziemlich direkt auf den Punkt:
Wie soll ein Schwarzer Mann in Amerika völlig angstfrei durchs Leben gehen?
Angst vor Gewalt.
Vor Diskriminierung.
Vor dem Verlust der Familie.
Vor Dingen, die ein uraltes außerirdisches Wesen vielleicht überhaupt nicht versteht.
Die Guardians messen Menschen mit einem Maßstab, dessen Kontext sie nicht begreifen.
Und plötzlich wirkt ihre berühmte Auswahlmethode weniger göttlich als erschreckend naiv.
Bernadette Stewart trifft eine Entscheidung, die Johns ganzes Leben bestimmt
Der vielleicht stärkste Teil der Folge gehört für mich Jasmine Cephas Jones.
Bernadette konfrontiert den Guardian.
Und statt sich von einem kosmischen Wesen einschüchtern zu lassen, erklärt sie ihm ziemlich deutlich, warum sein System versagt hat.
Der Guardian macht ihr daraufhin ein Angebot.
John Sr. kommt nicht mehr infrage.
Aber der kleine John vielleicht.
Wenn seine Eltern ihn darauf vorbereiten.
Und genau hier wird die Geschichte unangenehm.
Denn seine Eltern tun es.
Sie ziehen ihren Sohn mit einem Ziel groß:
John darf keine Angst kennen.
Was zunächst nach Superheldentraining klingt, sieht in der Realität teilweise erschreckend aus.
John wird Situationen ausgesetzt, die Kinder normalerweise schützen sollten.
Er wird alleine in gefährliche Gegenden geschickt.
Sein Vater schießt einen Apfel von seinem Kopf.
Später soll John selbst dasselbe tun.
Seine Eltern erzählen ihm außerdem, die Guardians würden ihn ständig in Gestalt von Vögeln beobachten.
Das erklärt rückwirkend sogar Johns Fixierung auf Vögel und sein ungewöhnliches grünes Vogelkonstrukt aus Episode 2.
Johns Eltern wollen ihm eine außergewöhnliche Zukunft ermöglichen. Dafür nehmen sie ihm allerdings einen ziemlich großen Teil seiner normalen Kindheit.
Und genau deshalb finde ich die Eltern interessant.
Die Folge macht es sich nicht einfach.
Sie sind keine Monster.
Sie lieben ihren Sohn.
Aber Liebe macht nicht automatisch jede Entscheidung richtig.
Ihre Erziehung ist teilweise grausam.
Gleichzeitig glauben sie, John damit eine Chance zu verschaffen, die ihm sonst niemals gegeben würde.
John darf nicht gut sein. Er muss perfekt sein.
Das ist für mich der eigentlich starke Gedanke hinter „OutKast“.
John wächst nicht nur mit Erwartungen auf.
Er wächst mit der Vorstellung auf, dass ein einziger Fehler alles zerstören könnte.
Andere dürfen improvisieren.
John muss vorbereitet sein.
Andere dürfen albern sein.
John muss kontrolliert bleiben.
Andere dürfen scheitern.
John offenbar nicht.
Hal erschafft mit seinem Ring gerne riesige, spontane Konstrukte. John baut eine Uhr – und konstruiert praktisch jedes einzelne Teil darin. Seine Fantasie funktioniert über Präzision.
Das greift übrigens sehr schön eine klassische Eigenschaft des Comic-John-Stewart auf.
Als Architekt denkt John Konstruktionen nicht nur äußerlich.
Er versteht, wie Dinge aufgebaut sind.
Das ist Fanservice, der nicht einfach nur „Schaut mal, das kennen wir aus den Comics!“ ruft.
Es erzählt gleichzeitig etwas über die Figur.
Und dann zerstört Hal Jordan Johns Leben gleich noch einmal
Später geht John zu den Marines.
Natürlich wird er Scharfschütze.
Geduldig.
Kontrolliert.
Präzise.
Eigentlich genau der Job, auf den sein gesamtes Leben ihn vorbereitet hat.
Für einen Auftrag wartet er monatelang auf den perfekten Moment.
Dann taucht Hal Jordan auf.
Hal macht Hal-Dinge.
Alles explodiert.
Der Zielmann verschwindet.
Und John bleibt mit den Konsequenzen zurück.
Schließlich nimmt er eine unehrenhafte Entlassung auf sich.
Das ist erzählerisch vielleicht ein bisschen auffällig konstruiert.
Ausgerechnet Hal zerstört Johns Zukunft bereits zum zweiten Mal, ohne überhaupt zu wissen, dass John existiert.
Aber es funktioniert.
Denn dadurch bekommt ihr späterer Konflikt eine bittere Ironie.
Hal glaubt, John wolle ihm etwas wegnehmen.
Dabei hat Hal John längst mehrfach etwas genommen.
Der große Twist: John soll Hal nicht unterstützen – er soll ihn ersetzen
Und dann setzt die Episode das letzte Teil ein.
John glaubt, er bewirbt sich als Hals Backup.
Stimmt nicht.
Die Guardians wollen Hal loswerden.
Seine Verbindung zu Sinestro macht ihnen Angst.
Seine Unberechenbarkeit nervt sie.
Und John ist der perfekte Ersatz.
Jemand, den sie praktisch seit seiner Kindheit darauf vorbereitet haben.
Damit verändert „OutKast“ rückwirkend die komplette Beziehung aus den ersten beiden Folgen.
John weiß von Anfang an, dass er potenziell Hals Nachfolger werden soll.
Hal weiß zumindest, dass irgendetwas nicht stimmt.
Beide sitzen also im selben Auto und tun so, als wäre das hier ein normales Mentor-Schüler-Verhältnis.
Ist es nicht.
Plötzlich versteht man, warum Hal John nicht traut – und warum John trotzdem unbedingt Hals Anerkennung will.
Die neue Origin wird Comicfans spalten
Hier muss man allerdings auch kritisch sein.
Diese Version von John Stewart verändert sehr viel.
In den Comics wurde John nicht seit seiner Kindheit von seinen Eltern zum Green Lantern gedrillt.
Seine Auswahl war gerade deshalb interessant, weil er als selbstbewusster Architekt und politischer Charakter in eine bereits bestehende Green-Lantern-Welt hineintrat.
„Lanterns“ macht daraus fast eine Schicksalsgeschichte.
John wurde praktisch für den Ring gebaut.
Ich verstehe jeden Fan, der damit hadert.
Auch mir ist die Konstruktion stellenweise fast ein bisschen zu perfekt.
Der Vater wird beinahe ausgewählt.
Die Mutter verhandelt mit einem Guardian.
Die komplette Kindheit wird darauf ausgerichtet.
Hal zerstört später zufällig Johns Militärkarriere.
Dann landet John genau im Auswahlverfahren für Hals Ersatz.
Das ist eine Menge Schicksal.
Aber:
Als Fernsehdrama funktioniert es für mich.
Weil Aaron Pierre aus diesem ganzen Konstrukt eine Figur macht, die nicht wie ein Plotmechanismus wirkt.
Er wirkt wie ein Mann, der seit Jahrzehnten versucht, eine Prüfung zu bestehen, deren Regeln andere Menschen festgelegt haben.
Die Comixdealer-Wertung
Mein Fazit: Die bisher beste Folge von Lanterns
Ich wollte nach Episode 2 eigentlich sofort wissen, was Sinestro über John weiß.
Stattdessen hat mir „OutKast“ fast eine Stunde lang diese Antwort verweigert.
Und am Ende war mir das vollkommen egal.
Denn die Episode macht aus John Stewart endlich mehr als den coolen, kontrollierten Gegenpol zu Hal Jordan.
Seine Ruhe ist kein natürlicher Zustand.
Sie wurde ihm antrainiert.
Seine Präzision ist kein cooler Charakterzug.
Sie ist das Ergebnis eines Lebens, in dem ihm vermittelt wurde, dass Fehler keine Option sind.
Die neue Origin ist radikal und teilweise fast etwas zu konstruiert.
Trotzdem funktioniert sie, weil Aaron Pierre und insbesondere Jasmine Cephas Jones dem Ganzen emotionale Wahrheit geben.
„OutKast“ hält die eigentliche Handlung an – und macht die gesamte Serie trotzdem interessanter. Für mich bisher die stärkste Episode.
💬 Wie gefällt euch Johns neue Origin?
Ist die große Abweichung von den Comics für euch ein spannender neuer Ansatz – oder wird John dadurch zu sehr zu einer „Auserwählten“-Figur? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.
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WhatsApp-Kanal abonnierenQuellen & Transparenz: HBO Max / DC Studios; TheWrap – Interview mit Vanessa Baden Kelly; Lanterns: The Official Podcast; Gizmodo/io9 – Episoden-Recap. Bildmaterial: John Johnson / HBO Max. Redaktionelle Einordnung und Wertung: Comixdealer Magazin.
