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Marsupilami Kritik: Huba-Huba, derbe Gags und Familienchaos

FILME & SERIEN · COMICVERFILMUNG · KRITIK

Die Marsupilami Kritik beginnt mit einer Frage, die sich deutsche Familienfilme vermutlich niemals zu stellen wagen würden: Wie viele schlechte Wortspiele, fliegende Körperteile und zweideutige Gags passen in 99 Minuten, bevor das gelbe Fabelwesen selbst um Hilfe ruft?

Das Marsupilami im neuen Kinofilm von Philippe Lacheau
Huba, huba! Das Marsupilami ist zurück – diesmal mitten in einer französischen Familienkomödie, die das Wort „familienfreundlich“ ausgesprochen großzügig auslegt. © 2026 Pathé Films / BAF Prod / TF1 Films Production / Splendid Film

Seit dem 20. August 2026 läuft Marsupilami in den deutschen Kinos. In Frankreich hat die Comicverfilmung bereits mehr als sechs Millionen Menschen angelockt und wurde damit zum erfolgreichsten französischen Film des Jahres. Das ist eine Ansage – insbesondere für eine Komödie, in der sich raffinierter Humor und hemmungsloser Klamauk ungefähr so friedlich begegnen wie zwei Marsupilamis mit nur einer Frucht.

Regisseur Philippe Lacheau setzt dabei auf die bewährte Methode seiner „Bande à Fifi“: Erst wird ein Gag aufgebaut, dann wird er übertrieben und anschließend noch einmal mit Anlauf gegen die Wand geschleudert. Manches davon ist überraschend komisch. Anderes bleibt dort kleben und möchte bitte nie wieder erwähnt werden.

Marsupilami auf einen Blick
  • Regie: Philippe Lacheau
  • Drehbuch: Philippe Lacheau, Pierre Dudan, Julien Arruti und Pierre Lacheau
  • Besetzung: Philippe Lacheau, Jamel Debbouze, Tarek Boudali, Élodie Fontan, Julien Arruti und Jean Reno
  • Laufzeit: 99 Minuten
  • Genre: Komödie, Abenteuer und Comicverfilmung
  • FSK: ab 6 Jahren
  • Deutscher Kinostart: 20. August 2026

Schmuggelware mit Punkten und acht Meter langem Schwanz

David arbeitet in einem Zoo, steckt beruflich allerdings tief im Schlamassel. Auch privat sieht es nicht wesentlich besser aus: Mit seiner Ex-Frau Tess streitet er regelmäßig über den gemeinsamen Sohn Léo. Eine harmonische Familienreise wäre deshalb ungefähr das Letzte, was man den dreien zutrauen würde.

Dann macht Davids zwielichtiger Chef – gespielt von Jean Reno – ein Angebot, das eher nach Erpressung klingt. David soll in Südamerika ein geheimnisvolles Paket abholen und es auf einem Kreuzfahrtschiff nach Frankreich schmuggeln. Als Tarnung nimmt er ausgerechnet seine Familie und den begriffsstutzigen Hausmeister Stéphane mit.

Natürlich befindet sich in der Kiste kein gewöhnliches Souvenir. Stattdessen kommt ein Marsupilami-Baby zum Vorschein, das innerhalb kürzester Zeit das komplette Schiff in einen schwimmenden Abenteuerspielplatz verwandelt. Gleichzeitig interessieren sich mehrere Parteien für das seltene Wesen. Damit beginnt eine Verfolgungsjagd, bei der Vernunft grundsätzlich Hausverbot hat.

Filmszene aus Marsupilami mit der Reisegruppe
Eine Kreuzfahrt, ein geschmuggeltes Paket und ausgesprochen wenig gesunder Menschenverstand: Die Handlung liefert vor allem eine Startbahn für den nächsten Gag. © 2026 Pathé Films / BAF Prod / TF1 Films Production / Splendid Film

Das Marsupilami ist nicht das Problem

Die gute Nachricht dieser Marsupilami Kritik: Das eigentliche Fabelwesen funktioniert. In ruhigeren Szenen kommt eine handgefertigte Animatronik zum Einsatz. Gerade dadurch besitzt das Tier eine haptische Präsenz, die vielen komplett digitalen Filmfiguren fehlt.

Über die riesigen Kulleraugen lässt sich streiten. Offensichtlich soll niemand länger als drei Sekunden widerstehen können, ohne ein entzücktes Geräusch von sich zu geben. Dennoch passt diese Übertreibung zur Comicfigur. Das Marsupilami war schließlich nie für dezente Zwischentöne zuständig.

Sobald sein Schweif durch das Bild peitscht, Menschen durch Räume fliegen oder das kleine Chaoswesen zur nächsten Katastrophe ansetzt, erreicht der Film seine stärksten Momente. Hier verbindet Lacheau den anarchischen Geist der Comics mit moderner Actionkomödie. Nicht jeder Effekt sitzt perfekt, aber Energie besitzt das gelbe Tier für drei Filme gleichzeitig.

Ein Familienfilm mit sehr dehnbarer Schamgrenze

Schwieriger wird es beim Humor. Marsupilami trägt offiziell das Etikett Familienfilm, benimmt sich allerdings wie ein zwölfjähriger Junge, der gerade entdeckt hat, dass Erwachsene bei bestimmten Wörtern nervös werden.

Medikamente landen im falschen Mund, Körperteile werden zu Schlagwaffen und selbst ein kleiner Hund wird in einen Gag verwickelt, den vorsichtige Eltern vermutlich nur mit mehreren Rückfragen erklären möchten. Französische Familienunterhaltung besitzt offenbar einen deutlich anderen Sicherheitsabstand zur Geschmacklosigkeit.

Gelegentlich ist gerade diese Frechheit befreiend. Der Film will nicht pädagogisch wertvoll wirken und entschuldigt sich nicht für seine Albernheiten. Deshalb darf man durchaus darüber lachen, wie konsequent Lacheau jede Grenze mit einem zufriedenen Grinsen ignoriert.

Allerdings reicht Dreistigkeit allein nicht für eine gelungene Komödie. Wenn eine Pointe zu lange ausgewalzt wird, verwandelt sich das geplante Slapstickfeuerwerk schnell in mühsames Gestolper. Besonders die Streitereien zwischen David und Tess bremsen den Film immer wieder aus. Ihre Beziehung soll das emotionale Herzstück bilden, besitzt aber nicht immer das notwendige Timing.

Der Humor-Check

Marsupilami ist laut, respektlos und stellenweise erstaunlich derb. Wer französischen Klamauk, hemmungslosen Slapstick und bewusst schlechte Wortspiele liebt, dürfte mehrfach Tränen lachen. Wer bei Unterleibshumor innerlich die Notbremse zieht, erlebt möglicherweise sehr lange 99 Minuten.

Zwischen Volltreffer und Rohrkrepierer

Seine besten Pointen liefert der Film dann, wenn er schnell und überraschend zuschlägt. Kleine Kettenreaktionen enden plötzlich in beeindruckend schmerzhaften Konsequenzen. Außerdem funktionieren einige satirische Spitzen deutlich besser, als man es von einer Komödie mit einem gepunkteten Plüschtier erwarten würde.

Vor allem Alban Ivanov darf als unangenehmer Zollbeamter hemmungslos übertreiben. Julien Arruti sorgt als Stéphane ebenfalls für mehrere echte Treffer, weil seine Figur mit entwaffnender Freundlichkeit nahezu jeden gesellschaftlichen Fettnapf findet und anschließend darin ein Picknick veranstaltet.

Jamel Debbouze kehrt unterdessen als Pablito zurück und verbindet den Film lose mit Auf den Spuren des Marsupilami aus dem Jahr 2012. Leider bleibt ihm häufig wenig mehr als hektische Grimassen und körperlicher Klamauk. Das besitzt anfangs Tempo, nutzt sich jedoch vergleichsweise schnell ab.

Philippe Lacheau und die Besetzung der Marsupilami-Komödie
Die „Bande à Fifi“ wirft sich mit voller Kraft in den Klamauk. Das Ergebnis schwankt zwischen herrlich bekloppt und einfach nur anstrengend. © 2026 Pathé Films / BAF Prod / TF1 Films Production / Splendid Film

Von E.T. bis Dragon Ball: Hauptsache, irgendetwas fliegt

Zusätzlich feuert Marsupilami eine ganze Batterie an Filmzitaten ab. E.T. – Der Außerirdische, Titanic und sogar Dragon Ball Z werden durch den gelben Fleischwolf gedreht. Gelegentlich entsteht daraus eine clevere Parodie. Manchmal genügt dem Film allerdings bereits die Erkenntnis, dass das Publikum die Vorlage erkannt hat.

Diese Schwankungen ziehen sich durch die gesamte Inszenierung. Auf einen überraschend gelungenen Gag folgt eine Pointe, die schon während des Aufbaus dringend medizinische Hilfe benötigt. Danach rast der Film weiter, als wäre überhaupt nichts passiert.

Immerhin verhindert dieses Tempo weitgehend Langeweile. Selbst wenn eine Szene nicht funktioniert, wartet bereits die nächste Eskalation hinter der Tür. Ob das elegant ist, spielt für Lacheau keine Rolle. Hauptsache, die Tür trifft beim Öffnen noch jemanden im Gesicht.

Der offizielle deutsche Trailer

Wie viel Franquin steckt im neuen Marsupilami?

André Franquin erschuf das Marsupilami 1952 für das Spirou-Magazin. Schon damals war die Figur kein stilles Maskottchen, sondern ein unberechenbares Naturereignis mit enormer Kraft, großem Herzen und einem Schweif, der praktisch jedes physikalische Gesetz persönlich beleidigt.

Genau diesen anarchischen Kern versteht die Neuverfilmung. Das Marsupilami lässt sich nicht kontrollieren, kategorisieren oder in eine gewöhnliche Familiengeschichte sperren. Sobald es auftaucht, übernimmt es den Film – und das ist vollkommen richtig so.

Dennoch bleibt die Comicwelt eher Kulisse als erzählerisches Fundament. Die Verfilmung interessiert sich stärker für das nächste Chaos als für Palumbien, Franquins Abenteuerkosmos oder die besondere Mythologie der Figur. Comicfans erhalten also keine respektvolle Museumsführung. Sie bekommen eine überdrehte Party, bei der das Marsupilami versehentlich die Vitrine umwirft.

Für wen eignet sich der Film?

Marsupilami passt zu Zuschauern, die französischen Klamauk, Comicverfilmungen und sehr körperlichen Humor mögen. Eltern sollten sich allerdings nicht allein auf das Etikett „Familienfilm“ verlassen. Die FSK 6 bedeutet nicht automatisch, dass jede Pointe auch für jedes sechsjährige Kind gedacht ist.

Marsupilami Kritik: Die Comixdealer-Wertung

Gelbes Chaos mit schwankender Trefferquote
6,2
Geschichte
5,5
Humor
6,5
Figuren
5,0
Inszenierung
6,5
Comic-Faktor
7,5

Fazit: Huba, huba – aber bitte mit Vorsicht

Die Marsupilami Kritik fällt passend zum Film widersprüchlich aus. Philippe Lacheau liefert eine energiegeladene Comicverfilmung, die sich angenehm wenig um guten Geschmack kümmert. Das Marsupilami besitzt Charme, die Animatronik sorgt für echte Präsenz und einige Pointen treffen mit erstaunlicher Wucht.

Gleichzeitig wird der Klamauk regelmäßig zu lange ausgewalzt. Der Familienkonflikt bremst das Tempo und nicht jeder derbe Einfall wird dadurch besser, dass man ihn noch lauter präsentiert.

Unterm Strich bleibt eine quietschgelbe Wundertüte: manchmal clever, häufig bekloppt und zwischendurch erschreckend albern. Wer genau darauf Lust hat, dürfte seinen Spaß haben. Alle anderen sollten sich gut überlegen, ob sie einem Marsupilami wirklich 99 Minuten lang den Schweif überlassen möchten.

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Quellen und redaktionelle Grundlage: Offizielle Filmseite und Pressematerial von Splendid Film, internationale Filmdaten von Pathé Films sowie die Filmstarts-Kritik von Sidney Schering. Eigenständige Einordnung und Text: Comixdealer Magazin.

Alexander Janetzki – Comixdealer

Alexander Janetzki ist seit 2009 im Comicfachhandel tätig, betreibt den Onlineshop Comixdealer und hat Film und Fernsehen mit Schwerpunkt Regie studiert. Im Comixdealer Magazin schreibt er über Comics, Filme, Serien und Popkultur.

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