Babs Comic Kritik: Garth Ennis zerlegt die Fantasy-Welt
Die Babs Kritik beginnt mit einer Frau, einem völlig nutzlosen magischen Schwert und einem Problem, das in Fantasy-Geschichten erstaunlich selten ernsthaft besprochen wird: Ein Kettenhemd-BH ist wahrscheinlich eine ziemlich beschissene Idee.
Damit wäre der Ton gesetzt.
Garth Ennis und Jacen Burrows nehmen in „Babs“ praktisch alles auseinander, was ihnen im Sword-&-Sorcery-Genre vor die Klinge läuft: halbnackte Kriegerinnen, heldenhafte Barbaren, magische Waffen, Orks, Elben, Drachen, finstere Burgen und natürlich jene Männer, die sehr genaue Vorstellungen davon haben, welche Personen in ihrer Fantasy-Welt gefälligst etwas zu suchen haben – und welche nicht.
Allerdings wäre es zu einfach, den Band nur als derben Conan- und Red-Sonja-Klamauk abzutun. Hinter Furzwitzen, Körperteilen und reichlich Blut steckt nämlich eine ziemlich erkennbare Satire auf Ressentiments, Kulturkämpfe und politische Bewegungen, die ihren Anhängern erzählen, früher sei angeblich alles besser gewesen.
Das Ergebnis ist teilweise saukomisch, teilweise überraschend warmherzig und manchmal so plump, wie man es von Garth Ennis eben auch kennt.
Stellt euch Red Sonja vor, gebt ihr Billy Butchers Wortschatz, ein katastrophal nutzloses magisches Schwert und schickt sie anschließend gegen eine Horde selbsternannter Retter der „guten alten Fantasy-Welt“.
Kurz eingeordnet
„Babs“ ist eine schmutzige, blutige und bewusst geschmacklose Fantasy-Satire, die deutlich mehr kann als nur Genreklischees veralbern. Garth Ennis benutzt Barbaren, Goblins und strahlend weiße Ritter, um über Misogynie, Ressentiments, Opportunismus und politische Verführer zu spotten. Jacen Burrows behandelt diese komplett bekloppte Welt dagegen erstaunlich ernst und zeichnet sie mit enormer Detailfreude. Gerade dieser Gegensatz funktioniert hervorragend. Allerdings sitzt nicht jeder Gag, und wenn man mit Ennis‘ sehr körperlichem Humor nichts anfangen kann, werden manche 160 Seiten ziemlich lang.
Wer ist eigentlich Babs?
Auf den ersten Blick ist Babs eine jener Figuren, die man sofort zu kennen glaubt. Schwarze Haare, Schwert, knappe Rüstung, beeindruckende Kampffähigkeiten und offenbar keinerlei Interesse daran, einen Konflikt friedlich zu lösen.
Also im Grunde Red Sonjas sehr schlecht gelaunte Cousine.
Allerdings zerstört Ennis dieses Bild bereits auf den ersten Seiten. Babs ist zwar tatsächlich verdammt gut im Kämpfen, doch in praktisch allen anderen Lebensbereichen läuft es weniger beeindruckend.
Sie ist chronisch pleite, trinkt gern, trifft fragwürdige Entscheidungen und besitzt die wunderbare Fähigkeit, eine bereits schlechte Situation innerhalb weniger Minuten wesentlich schlimmer zu machen.
Ennis selbst beschreibt sie sinngemäß als genau jene Sorte Figur, die er besonders gern schreibt: hervorragend in ihrem Beruf, aber ziemlich miserabel im Leben.
Und genau deshalb funktioniert sie.
Babs ist keine Parodie, die ausschließlich daraus besteht, dass eine Frau besonders laut flucht. Hinter ihrer ruppigen Art steckt genug Menschlichkeit, damit man ihr tatsächlich gern folgt.
Barry – das wahrscheinlich nutzloseste magische Schwert der Fantasy-Geschichte
Noch wichtiger ist allerdings ihr Begleiter.
Barry.
Barry ist ein verzaubertes Schwert.
Und normalerweise würde das bedeuten, dass es uralte Geheimnisse kennt, unglaubliche Kräfte besitzt oder seine Trägerin wenigstens in entscheidenden Momenten vor einem Dämon rettet.
Barry kann vor allem reden.
Leider.
Damit bekommt Babs einen Sidekick, der permanent kommentiert, jammert und seine eigene Nützlichkeit erheblich optimistischer einschätzt als alle anderen Beteiligten.
Das klingt zunächst nach einem einfachen Running Gag. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sich die Beziehung zwischen beiden jedoch zu einem der sympathischsten Elemente des Comics.
Denn zwischen Beschimpfungen und gegenseitiger Genervtheit entsteht tatsächlich so etwas wie Freundschaft.
Ja, natürlich macht sich Ennis über Red Sonjas Rüstung lustig
Das offensichtlichste Ziel der Satire ist kaum zu übersehen.
Babs trägt jene klassische Fantasy-Rüstung, bei der ein männlicher Krieger mit einer Stahlplatte vom Hals bis zu den Knöcheln geschützt wäre, während eine weibliche Kriegerin offenbar darauf vertrauen soll, dass ihre Gegner aus Höflichkeit ausschließlich daneben schlagen.
Ennis nimmt diese Logik auseinander, indem er nicht nur fragt, wie sinnvoll die Rüstung im Kampf ist, sondern wie angenehm es eigentlich sein kann, stundenlang Metall direkt auf empfindlicher Haut zu tragen.
Das ist vulgär.
Und manchmal sehr lustig.
Neu ist der Witz allerdings nicht.
Fantasy-Comics machen sich seit Jahrzehnten über Chainmail-Bikinis lustig. Genau hier liegt deshalb auch eine der Schwächen des Bandes: Nicht jede Genreparodie fühlt sich 2026 noch besonders frisch an.
Wenn „Babs“ nur daraus bestehen würde, wäre der Comic ziemlich schnell erledigt.
Zum Glück geht Ennis weiter.
Die eigentlichen Monster tragen strahlend weiße Rüstungen
Denn irgendwann tauchen die White Knights of Unblemished Virtue auf.
Bereits ihre Gestaltung sagt eigentlich alles. Saubere weiße Rüstungen, Symbole, martialische Auftritte und die Behauptung, man wolle Ordnung wiederherstellen.
Natürlich endet so etwas in einem Garth-Ennis-Comic nicht gut.
Angeführt werden die Ritter von Lord Tiberius Toledo. Er versteht sehr genau, wie man aus Unzufriedenheit Macht erzeugt. Dafür braucht er keine besonders komplizierte Ideologie. Es reicht, Menschen einzureden, jemand anderes sei schuld daran, dass ihr Leben nicht so verläuft, wie sie es gern hätten.
Frauen.
Andere Spezies.
Fremde.
Elben.
Goblinkram.
Im Grunde funktioniert jede Gruppe, solange man sie überzeugend zum Problem erklärt.
Und plötzlich bekommt die vermeintlich alberne Fantasy-Parodie eine ziemlich erkennbare zweite Ebene.
Ennis macht sich nicht nur über Fantasy lustig. Er benutzt Fantasy, um über Menschen zu spotten, die sich von einfachen Feindbildern überzeugen lassen – solange ihnen jemand verspricht, ihnen ihre vermeintlich verlorene Größe zurückzugeben.
„Make Middle Earth Great Again“ – subtil ist anders
Man muss natürlich kein Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen, was Ennis hier macht.
Die Parallelen zur realen Gegenwart sind teilweise mit dem Vorschlaghammer gesetzt. Wütende Männer beschweren sich darüber, dass Frauen angeblich ihre Rolle einnehmen. Andere schließen sich starken Anführern an, weil diese ihnen erzählen, dass früher alles besser gewesen sei. Wieder andere verraten ihre eigenen Nachbarn in der Hoffnung, selbst zur bevorzugten Gruppe zu gehören.
Außerdem zeigt die Geschichte ziemlich treffend, wie schnell solche Bewegungen ihre nützlichen Idioten fallenlassen, sobald diese ihren Zweck erfüllt haben.
Gerade Mook und seine ziemlich erbärmliche Truppe sind dafür wichtig. Ihre Wut wirkt zunächst lächerlich, anschließend wird sie gefährlich und schließlich merken sie, dass die Menschen, denen sie geholfen haben, sie überhaupt nicht respektieren.
Das ist politisch alles andere als subtil.
Allerdings ist „Babs“ auch kein Comic, der jemals behauptet, subtil sein zu wollen.
Garth Ennis schreibt keine feine Allegorie, bei der man drei Wochen später in einem Literaturseminar darüber diskutiert, was der Drache möglicherweise symbolisieren könnte.
Er zeigt auf etwas, nennt es bescheuert und lässt Babs anschließend mit dem Schwert draufhauen.
Das kann erstaunlich befriedigend sein.
Der Humor ist sehr Garth Ennis – und das ist gleichzeitig Lob und Warnung
Wer „Preacher“, „The Boys“, „Hitman“ oder andere Arbeiten von Ennis kennt, weiß ungefähr, was ihn erwartet.
Geschmackliche Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu seinen bevorzugten Werkzeugen.
Es gibt Sexwitze, Körperflüssigkeiten, verstümmelte Gegner, sexuelle Anspielungen, absurde Monster, Flüche und mindestens einige Momente, bei denen man sich fragt, warum ein erwachsener Mann unbedingt genau diesen Gag schreiben musste.
Manchmal lautet die Antwort vermutlich:
Weil er darüber lachen musste.
Und erstaunlich oft funktioniert das.
Gerade weil Jacen Burrows die Pointen nicht wie einen Cartoon zeichnet. Figuren stehen in detaillierten Fantasy-Landschaften und reagieren auf völlig absurde Situationen mit einer visuellen Ernsthaftigkeit, die den Humor zusätzlich verstärkt.
Trotzdem sitzt nicht jeder Gag.
Einige Pointen werden länger ausgespielt, als sie tragen. Andere sind bewusst so infantil, dass die persönliche Schmerzgrenze entscheidet, ob man lacht oder nur weiterblättert.
Deshalb würde ich den Band niemandem empfehlen, der bei „The Boys“ bereits dachte: Eigentlich wäre das alles ganz schön, wenn Ennis nur endlich mit den Peniswitzen aufhören würde.
Er hat nicht aufgehört.
Der entscheidende Punkt
„Babs“ ist nicht automatisch lustig, nur weil es möglichst vulgär wird. Die stärksten Gags entstehen dort, wo Ennis seine Geschmacklosigkeit mit echter Beobachtung verbindet. Sobald nur noch der nächste Körperteil für eine Pointe herhalten muss, verliert der Comic etwas an Schärfe.
Zum Glück ist Babs mehr als eine laufende Pointe
Gerade deshalb überrascht mich, wie sympathisch die Hauptfigur im Verlauf der sechs Kapitel wird.
Babs besitzt zwar zunächst die emotionale Feinfühligkeit eines Morgensterns, dennoch entwickelt sie echte Bindungen. Ihre Beziehung zu Barry verändert sich, Freundschaften gewinnen an Gewicht und selbst Figuren, die anfangs nur wie Karikaturen wirken, bekommen später unerwartete Momente.
Dadurch bleibt die Geschichte nicht in einem endlosen Sketch hängen.
Sie besitzt tatsächlich einen Handlungsbogen.
Die White Knights übernehmen zunehmend die Kontrolle, Tiberius‘ wahre Interessen werden sichtbarer und irgendwann steht deutlich mehr auf dem Spiel als die Frage, ob Babs irgendwo genügend Geld für den nächsten Rausch auftreiben kann.
Besonders in der zweiten Hälfte findet Ennis deshalb die richtige Mischung aus Abenteuer und Satire.
Der Comic wird nicht plötzlich ernst.
Aber die Figuren bekommen etwas zu verlieren.
Und dadurch funktionieren auch die absurden Momente besser.
Ausgerechnet Jacen Burrows behandelt diesen Unsinn mit maximalem Ernst
Visuell ist „Babs“ für mich sogar noch stärker als erzählerisch.
Jacen Burrows kennt man unter anderem aus „Crossed“, „The Ribbon Queen“ oder seiner Zusammenarbeit mit Alan Moore. Seine Stärke liegt seit jeher in klaren Figuren, extrem präzisen Linien und einer Detailfreude, durch die selbst groteske Gewalt erstaunlich nachvollziehbar aussieht.
Genau das ist für diese Geschichte perfekt.
Burrows zeichnet keine Parodie-Version einer Fantasywelt. Wälder sehen aus wie Wälder. Tavernen besitzen Architektur, Möbel und Hintergrundfiguren. Rüstungen haben Gewicht, Monster wirken körperlich und selbst komplett lächerliche Kreaturen besitzen eine erstaunlich glaubwürdige Anatomie.
Dadurch nimmt das Artwork die Welt ernster als die Figuren.
Und genau aus diesem Widerspruch entsteht viel Humor.
Besonders stark ist außerdem Burrows‘ Körpersprache.
Comedy im Comic funktioniert schließlich nicht nur über Dialoge. Ein irritierter Blick, eine winzige Reaktion im Hintergrund oder eine Figur, die vollkommen ernst auf etwas komplett Absurdes reagiert, kann wesentlich lustiger sein als die eigentliche Textpointe.
Burrows versteht das hervorragend.
Hinzu kommen die Farben von Andy Troy, die bewusst nicht in eine düstere Braun-Grau-Fantasy abrutschen. Wälder, Monster und Rüstungen bekommen kräftige Farben, weshalb die Welt beinahe wie klassische Abenteuer-Fantasy aussieht.
Bis wieder jemandem ein Körperteil fehlt.
Die Action ist brutal – aber vor allem kreativ
Natürlich wäre es kein Ennis/Burrows-Comic, wenn Gewalt ausschließlich im Off stattfinden würde.
Hier wird geschlagen, gestochen, zerquetscht und auf andere kreative Arten dafür gesorgt, dass Fantasy-Kreaturen ihren nächsten Termin verpassen.
Entscheidend ist allerdings, dass die Gewalt meistens Teil der Pointe oder einer überraschenden Actionidee ist.
Babs gewinnt nicht einfach sechs Seiten lang durch dieselbe Schwertbewegung. Kämpfe nutzen Monsterkörper, Umgebung und die jeweilige Absurdität der Situation.
Dadurch bleibt die Action abwechslungsreicher, als man bei einer solchen Parodie zunächst erwarten würde.
Außerdem zeichnet Burrows Gewalt mit genau jener unangenehmen Klarheit, für die man ihn kennt. Das ist grafisch deutlich härter als viele klassische Fantasy-Comics, obwohl der humoristische Ton dafür sorgt, dass „Babs“ nie die deprimierende Brutalität eines „Crossed“ entwickelt.
Unter dem ganzen Unsinn steckt erstaunlich viel Klassen- und Machtkritik
Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto wichtiger wird außerdem ein Aspekt, der zunächst fast unsichtbar bleibt: Geld.
Babs ist permanent pleite.
Andere Figuren wünschen sich sozialen Aufstieg.
Tiberius verspricht Ordnung und Größe, verfolgt allerdings sehr handfeste eigene Interessen.
Die White Knights präsentieren sich als ideologische Bewegung, während hinter dem Pathos letztlich Ausbeutung und Profit stehen.
Das ist vielleicht die interessanteste Ebene der Geschichte.
Denn Ennis macht sich nicht nur über fanatische Anhänger lustig. Er richtet den Blick ebenfalls auf jene Menschen, die Ressentiments ganz bewusst fördern, weil sich damit Macht und Geld verdienen lassen.
Die vermeintliche Rückkehr zu einer glorreichen Vergangenheit ist deshalb nur Marketing.
Während unten über Kultur und Identität gestritten wird, kassiert oben jemand ab.
Subtil?
Nein.
Aber ziemlich treffend.
Die beste Satire des Bandes entsteht nicht aus der Frage, ob Fantasy-Kriegerinnen zu wenig Rüstung tragen. Sie entsteht dort, wo Ennis zeigt, wie leicht verletzter Stolz in Wut verwandelt – und diese Wut anschließend von anderen ausgeschlachtet werden kann.
Ist die Satire wirklich so clever, wie sie glaubt?
Hier muss man den Comic allerdings auch ein wenig bremsen.
Denn manche Kritiken der US-Erstveröffentlichung waren erheblich zurückhaltender als andere – und das kann ich nachvollziehen.
Ein Teil der Fantasy-Witze ist alt. Der Chainmail-Bikini wurde bereits unzählige Male parodiert. Die misogynen Fantasy-Nerds sind teilweise bewusst derart überzeichnet, dass kaum noch etwas zu entdecken bleibt. Gleichzeitig sind die politischen Parallelen so offensichtlich, dass der Leser selten selbst zwei Punkte miteinander verbinden muss.
Wer Satire besonders dann mag, wenn sie ihr Ziel langsam seziert, wird „Babs“ deshalb möglicherweise zu grob finden.
Ennis arbeitet hier eher mit einem Kriegshammer.
Das ist allerdings auch Teil des Konzepts.
„Babs“ will nicht vornehm sein.
Der Comic will lachen, beleidigen, provozieren und zwischendurch einen Troll auf möglichst absurde Weise erledigen.
Wenn dabei noch eine gesellschaftliche Beobachtung hängenbleibt, umso besser.
Die sechs Kapitel werden im Verlauf sogar besser
Interessant ist außerdem, dass die internationale Rezeption im Verlauf der ursprünglichen sechsteiligen Miniserie eher positiver wurde.
Das ergibt Sinn.
Die erste Ausgabe muss zunächst Babs, Barry, ihre Welt und den Grundton etablieren. Dadurch wirkt sie stärker wie eine Sammlung einzelner Gags.
Später greifen die verschiedenen Stränge zunehmend ineinander. Tiberius und seine Ritter werden wichtiger, Nebenfiguren bekommen Funktionen im größeren Konflikt und aus einer bloßen Genreverarsche wird tatsächlich ein kleines Fantasy-Abenteuer.
Gerade die letzten Kapitel profitieren davon.
Denn nun können Ennis und Burrows ihre komplette Besetzung gegeneinander werfen, ohne ständig erklären zu müssen, wer diese Leute eigentlich sind.
Das Finale ist dementsprechend chaotisch, blutig und komplett albern.
Aber es fühlt sich trotzdem wie ein Abschluss an.
Und nein: Babs ist noch nicht vorbei
Die deutsche Ausgabe sammelt den ersten großen Handlungsbogen.
Wer danach mehr möchte, muss sich allerdings nicht verabschieden.
AHOY Comics setzt die Reihe inzwischen mit „Babs: The Black Road South“ fort. Auch dort arbeiten Garth Ennis und Jacen Burrows weiter an dieser Welt.
Das ist deshalb erwähnenswert, weil der erste Band durchaus auch allein funktioniert. Man bekommt einen vollständigen Konflikt und ein richtiges Finale, ohne dass die Geschichte mitten in einer Szene endet.
Gleichzeitig ist genügend Welt vorhanden, um Babs und Barry problemlos in die nächste Katastrophe zu schicken.
Die deutsche Ausgabe vom Dantes Verlag
Der Dantes Verlag veröffentlicht „Babs“ in Deutschland als farbiges Softcover im Format 16 × 24 Zentimeter.
Die bei PPM geführte Ausgabe umfasst 160 Seiten und kostet 22 Euro. Die Übersetzung stammt von Jens R. Nielsen.
Gerade bei einem Comic wie diesem ist die Übersetzung durchaus relevant. Ennis arbeitet schließlich permanent mit Beschimpfungen, Slang, Wortspielen und bewusst idiotischen Formulierungen. Der Ton muss also dreckig genug bleiben, ohne wie eine wörtlich übersetzte US-Sprechblase zu wirken.
Dass Dantes mit Ennis ohnehin Erfahrung besitzt, hilft dabei spürbar.
Die Comixdealer-Wertung
Mein Fazit: Garth Ennis mit Schwert – ungefähr so geschmackvoll, wie man erwartet
„Babs“ hat mich vor allem deshalb positiv überrascht, weil unter dem ganzen pubertären Unsinn tatsächlich ein ziemlich ordentliches Fantasy-Abenteuer steckt.
Natürlich beginnt alles mit den offensichtlichen Zielen. Chainmail-Bikinis sind bescheuert. Magische Schwerter müssen nicht automatisch hilfreich sein. Fantasyhelden besitzen oft eine erstaunlich selektive Vorstellung davon, welche Körperteile Schutz benötigen.
Darüber könnte man allerdings kaum 160 Seiten tragen.
Interessanter wird der Comic deshalb dort, wo Ennis die Fantasy-Klischees mit sehr gegenwärtigen Ressentiments verbindet. Seine White Knights verkaufen eine nostalgische Vorstellung von Ordnung, während verunsicherte und wütende Männer dankbar jedes Feindbild übernehmen, das man ihnen anbietet.
Besonders clever ist das nicht immer. Manchmal steht die Aussage praktisch mit einem Leuchtschild über der Szene. Trotzdem funktioniert sie, weil Ennis sehr genau versteht, wie lächerlich Menschen aussehen können, wenn sie ihre persönliche Unzufriedenheit zur großen gesellschaftlichen Verschwörung erklären.
Dazu kommt Jacen Burrows, der für mich der eigentliche MVP des Bandes ist. Seine Welt ist detailreich, körperlich und erstaunlich glaubwürdig. Gerade weil er Drachen, Tavernen und völlig idiotische Monster mit vollem Ernst zeichnet, werden viele der Gags erst richtig lustig.
Allerdings muss man Ennis‘ Humor mögen. Wenn der fünfte Genitalwitz bereits beim zweiten zu viel gewesen wäre, wird „Babs“ euch nicht plötzlich bekehren. Außerdem sind manche Genreparodien längst älter als die Hauptfigur selbst.
Wer dagegen „Preacher“, „The Boys“, „Hitman“, „Barbaric“ oder schmutzige Sword-&-Sorcery-Komödien mag, bekommt hier erstaunlich viel Comic für 22 Euro.
„Babs“ ist vulgär, brutal, politisch vollkommen unsubtil und gelegentlich herrlich bescheuert – aber unter all dem steckt eine sympathische Heldin und eine wesentlich klügere Satire, als der erste Chainmail-BH-Witz vermuten lässt.
🎯 Für wen ist Babs?
Für Leser von Garth Ennis sowieso, außerdem für Fans von „Red Sonja“, „Conan“, „Barbaric“ oder Fantasy-Parodien mit Erwachsenenhumor. Wer allerdings klassische heroische Sword & Sorcery ohne politische Satire sucht oder mit sehr vulgärem Humor wenig anfangen kann, dürfte mit Babs erheblich weniger glücklich werden.
Direkt beim Comixdealer
Babs
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Babs beim Comixdealer ansehen →💬 Wie viel Geschmacklosigkeit verträgt gute Satire?
Funktioniert Garth Ennis für euch gerade deshalb, weil er keinerlei Interesse an Zurückhaltung besitzt – oder verliert seine Satire manchmal ihre Wirkung, weil jeder zweite Gag noch einen draufsetzen muss? Schreibt es gerne in die Kommentare.
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WhatsApp-Kanal abonnierenQuellen & Transparenz: Dantes Verlag und PPM Vertrieb – Daten zur deutschen Ausgabe und Leseprobe; AHOY Comics – Originalserie und Angaben des Kreativteams; ComicBook.com, AIPT, ComicsBeat, SuperHeroHype und Comic Book RoundUp – internationale Rezeption der ursprünglichen sechsteiligen US-Serie. Bildmaterial: Dantes Verlag / AHOY Comics / Jacen Burrows. Redaktionelle Einordnung und Wertung: Comixdealer Magazin.
