Asterix und das Königreich Nubien Trailer: Endlich wieder klassisches Asterix?
Der neue deutsche Trailer zu „Asterix und das Königreich Nubien“ ist da – und überraschenderweise ist gerade das Vertraute seine größte Stärke. Keine düstere Neuerfindung, kein aufgeblasenes Franchise-Kino und kein Versuch, Asterix plötzlich besonders cool wirken zu lassen. Stattdessen bekommen wir Zaubertrank, Römer, Wildschweine, Idefix, Miraculix und zwei Gallier, die sich auf eine Reise begeben, bei der eigentlich schon vor dem Aufbruch feststeht, dass irgendwo sehr viele Legionäre durch die Luft fliegen werden.
Trotzdem erzählt Regisseur Alexandre Heboyan diesmal keine direkte Adaption eines bekannten Albums. „Das Königreich Nubien“ basiert auf einer eigens für den Film entwickelten Geschichte und setzt den Animationsfilm „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ fort.
Die Ausgangsidee könnte dabei tatsächlich aus einem klassischen Album stammen: Durch ein Missgeschick gelangt ein Jugendelixier in den Zaubertrank. Die sonst unbesiegbaren Bewohner des gallischen Dorfes verwandeln sich daraufhin in Kinder – und ausgerechnet jetzt merken die Römer, dass ihre Nachbarn plötzlich sehr viel weniger gefährlich aussehen.
Asterix, Obelix und Idefix müssen deshalb bis ins weit entfernte Nubien reisen, um eine seltene Zutat für das Gegenmittel zu finden. Währenddessen bleibt Miraculix im Dorf und versucht offenbar, eine Horde verjüngter Gallier davon abzuhalten, sich gegenseitig oder versehentlich ganz Gallien zu zerstören.
Der Trailer versucht nicht, Asterix neu zu erfinden. Und genau deshalb sieht „Das Königreich Nubien“ momentan wesentlich sympathischer aus als viele Filme, die ihre Vorlage unbedingt modernisieren wollen.
Kurz eingeordnet
Der neue Trailer verspricht keine Revolution, sondern klassisches Asterix-Abenteuerkino. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Die Idee mit den verjüngten Galliern verändert die gewohnte Ausgangslage ausreichend, während die Reise nach Nubien genau jene Struktur aufgreift, aus der viele der besten Comic-Alben entstanden sind: Asterix und Obelix treffen auf eine fremde Kultur, sorgen dort für Chaos und lernen dabei mindestens genauso viel über ihre Gastgeber wie über ihre eigenen Eigenheiten. Die entscheidende Frage wird sein, ob der Film neben den vertrauten Running Gags auch genügend neue Ideen besitzt.
Miraculix ruiniert ausgerechnet den wichtigsten Zaubertrank seines Lebens
Die Handlung startet mit einer jener Katastrophen, die im gallischen Dorf eigentlich nur entstehen können, wenn Miraculix einen sehr schlechten Tag erwischt.
Während Asterix und Obelix im Wald unterwegs sind, gerät versehentlich ein seltenes Jugendelixier in den berühmten Zaubertrank. Statt den Bewohnern des Dorfes übermenschliche Kraft zu verleihen, beginnt der Trank deshalb, sie körperlich zu verjüngen.
Das klingt zunächst nach einem einfachen Gag. Erzählerisch verändert die Idee jedoch ziemlich viel. Seit Jahrzehnten basiert die Sicherheit des Dorfes schließlich auf einem ausgesprochen zuverlässigen System: Römer greifen an, Gallier trinken Zaubertrank, Römer bereuen ihre Berufswahl.
Dieses System funktioniert plötzlich nicht mehr.
Statt einer Horde kampfbereiter Gallier stehen Miraculix nun Kinder gegenüber. Gleichzeitig bekommt Rom erstmals seit langer Zeit einen halbwegs realistischen Grund zu glauben, dass diese kleine rebellische Ecke Galliens vielleicht doch noch zu erobern wäre.
Miraculix kennt glücklicherweise ein Gegenmittel. Allerdings benötigt er dafür eine seltene Zutat, die nur im Königreich Nubien zu finden ist.
Damit ist die Rollenverteilung geklärt. Asterix und Obelix brechen zusammen mit Idefix auf, während Miraculix bei den verjüngten Dorfbewohnern zurückbleibt.
Gerade diese Aufteilung könnte dem Film gut tun. Einerseits bekommt die Reisehandlung genügend Raum, andererseits kann das Dorf parallel eine eigene komödiantische Geschichte entwickeln.
Asterix war eigentlich schon immer eine Reiseserie
Dass es Asterix und Obelix aus Gallien hinauszieht, ist natürlich alles andere als neu. Trotzdem gehört genau diese Struktur zu den größten Stärken der Comics.
„Asterix bei den Briten“, „Asterix und Kleopatra“, „Asterix bei den Schweizern“, „Asterix in Spanien“ oder „Asterix auf Korsika“ funktionieren nicht nur als Abenteuer. Sie erlauben Goscinny und Uderzo zugleich, kulturelle Eigenheiten zu beobachten, nationale Klischees zu überzeichnen und nebenbei ziemlich treffsichere Gesellschaftssatire zu betreiben.
Dadurch verändert sich das Grundprinzip jedes Mal, obwohl die Hauptfiguren dieselben bleiben.
Nubien ist deshalb als Schauplatz eine interessante Wahl. Die Landschaft, Architektur und Tierwelt unterscheiden sich deutlich von Gallien. Gleichzeitig bietet die Region genügend Möglichkeiten für eine Geschichte, die visuell nicht wie eine weitere Runde durch bekannte französische Wälder wirkt.
Der Trailer deutet diesen Kontrast bereits an. Warme Farben, weitläufige Landschaften und neue Figuren geben dem Film eine eigene visuelle Identität, ohne dass Asterix und Obelix darin wie Fremdkörper erscheinen.
„Nein, Obelix – das ist kein Wildschwein!“
Natürlich wäre es trotzdem kein Asterix-Abenteuer, wenn Obelix nicht spätestens nach wenigen Minuten ans Essen denken würde.
Im Trailer begegnen die beiden einem Nashorn. Asterix muss seinem Freund daraufhin ausdrücklich erklären, dass dieses Tier kein Wildschwein ist.
Man kann jetzt natürlich sagen: Diesen Obelix-Witz kennen wir seit Jahrzehnten.
Stimmt.
Allerdings leben Figuren wie Obelix gerade von solchen Konstanten. Niemand möchte ernsthaft einen Film sehen, in dem Obelix plötzlich Kalorien zählt, Wildschweine ablehnt und über die politische Situation im Senat philosophiert.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob bekannte Eigenschaften wiederkehren. Entscheidend ist, ob die Autoren damit neue Situationen bauen.
Der Nashorn-Gag funktioniert genau deshalb: Er nimmt eine jahrzehntealte Eigenschaft der Figur und setzt sie in eine Umgebung, in der selbst Obelix offenbar noch Tiere entdecken kann, die er nicht sofort korrekt kulinarisch einordnen kann.
Ein guter Asterix-Film muss seine Figuren nicht verändern. Er muss neue Situationen finden, in denen ihre vertrauten Macken wieder lustig werden.
Die wichtigste Entscheidung: keine Comic-Adaption
„Das Königreich Nubien“ basiert nicht auf einem bestimmten Album. Stattdessen erzählen Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte eine Originalgeschichte innerhalb der bekannten Comicwelt.
Das birgt natürlich ein Risiko. Immerhin stehen den Filmemachern mehr als sechs Jahrzehnte Asterix-Geschichten gegenüber, darunter einige der besten europäischen Humorcomics überhaupt.
Gleichzeitig eröffnet eine Originalgeschichte aber auch Freiheiten.
Zum einen muss niemand darüber diskutieren, weshalb eine berühmte Szene aus einem Album fehlt. Zum anderen können bekannte Figuren anders eingesetzt werden, ohne ständig einem bereits festgelegten Ablauf folgen zu müssen.
Dass diese Methode funktionieren kann, hat der direkte Vorgänger bereits gezeigt. „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ erzählte ebenfalls eine eigenständige Geschichte und verstand trotzdem ziemlich gut, welche Zutaten ein Asterix-Abenteuer benötigt.
Daran knüpft „Das Königreich Nubien“ nun offiziell an.
Animation passt zu Asterix immer noch besser als Realismus
Auch visuell gefällt mir die Richtung weiterhin.
Die Figuren besitzen genau jene überzeichneten Proportionen, die sie in den Comics seit Jahrzehnten auszeichnen. Asterix darf winzig und drahtig sein, Obelix darf aussehen, als könnte er versehentlich eine Tür aus der Wand reißen, und römische Legionäre dürfen bereits vor dem ersten Schlag aussehen, als hätten sie schlechte Karriereentscheidungen getroffen.
Genau deshalb funktioniert Animation für Asterix so gut.
Eine Comicfigur wie Obelix muss nicht realistisch aussehen. Im Gegenteil: Sobald man versucht, seine Proportionen in eine möglichst glaubwürdige reale Welt zu übertragen, geht ein Teil des visuellen Humors verloren.
In einem Animationsfilm darf dagegen ein Römer zwanzig Meter durch die Luft fliegen, ohne dass die Szene plötzlich wie ein Spezialeffekt wirken muss.
Dasselbe gilt für Gesichtsausdrücke. Uderzos Figuren leben von extremen Reaktionen, verzerrten Gesichtern und Körpersprache. Die aktuellen CG-Filme übersetzen das erstaunlich gut in Bewegung.
Natürlich besitzen die alten handgezeichneten Filme weiterhin ihren eigenen Charme. Trotzdem wirkt diese moderne Animation für mich näher an der Comicwelt als viele Realverfilmungen.
Milan Peschel und Charly Hübner bleiben die deutschen Stimmen
Auch bei der Synchronisation setzt der Film auf Kontinuität.
Milan Peschel spricht erneut Asterix, während Charly Hübner wieder Obelix übernimmt. Beide waren bereits im vorherigen Animationsfilm in diesen Rollen zu hören.
Gerade bei einer Reihe mit so ikonischen Figuren ist das sinnvoll. Stimmen prägen Animationscharaktere enorm, weshalb häufige Wechsel schnell stärker auffallen als ein neues Gesicht bei einer Realverfilmung.
Im französischen Original übernimmt Christian Clavier die Stimme von Asterix. Das ist besonders nett, weil Clavier die Figur bereits in den frühen Realfilmen verkörperte. Obelix wird dort von François-Xavier Demaison gesprochen.
Der Trailer macht eine Sache besonders richtig
Der Film verkauft Asterix nicht als gigantisches Event, sondern als Asterix-Abenteuer. Genau das ist wahrscheinlich die vernünftigste Entscheidung, die man treffen konnte.
Wir leben inzwischen in einer Zeit, in der selbst vergleichsweise einfache Stoffe häufig wie der Beginn eines zehnjährigen Franchise-Plans präsentiert werden.
Da tut es fast gut, wenn ein Trailer einfach sagt: Hier sind zwei Gallier, ihr Dorf hat ein Problem, also reisen sie los und lösen es.
Asterix braucht kein Cinematic Universe.
Er benötigt auch keinen düsteren Reboot, in dem wir endlich erfahren, weshalb Obelix als Kind emotional davon traumatisiert wurde, in einen Kessel Zaubertrank zu fallen.
Die Figuren funktionieren seit Jahrzehnten, weil ihr Grundkonzept stark ist.
Deshalb reicht es vollkommen, ihnen eine gute neue Geschichte zu geben.
Aber genau darin steckt auch das größte Risiko
Vertrautheit kann schließlich sehr schnell in Bequemlichkeit umschlagen.
Der Trailer zeigt zahlreiche bekannte Elemente: Obelix denkt ans Essen, Römer unterschätzen die Gallier, Miraculix hantiert mit Zaubertrank und unsere Helden reisen in ein fremdes Land.
Das alles gehört zu Asterix.
Allerdings besitzen die besten Geschichten der Reihe neben diesen Konstanten immer auch eine eigene Idee. „Asterix bei den Briten“ ist nicht einfach Asterix in England. „Asterix und Kleopatra“ lebt nicht nur von Pyramiden. „Die Trabantenstadt“ funktioniert, weil sie eine brillante Satire auf Stadtplanung, Konsum und gesellschaftlichen Wandel ist.
„Das Königreich Nubien“ muss deshalb mehr bieten als ein neues Hintergrundbild.
Der neue Schauplatz braucht eigene Figuren, eigene Konflikte und im besten Fall genau jene kulturellen Beobachtungen, die schon die klassischen Reisealben so gut gemacht haben.
Wenn das gelingt, könnte die Originalgeschichte zu einer echten Bereicherung werden.
Falls Nubien dagegen nur dazu dient, vertraute Gags vor schöneren Landschaften abzuspulen, dürfte der Film zwar nett werden, aber kaum lange im Gedächtnis bleiben.
Meine einzige echte Sorge
Der Trailer sieht sympathisch aus. Jetzt muss die Geschichte beweisen, dass hinter dem vertrauten Asterix-Gefühl auch genügend neue Ideen stecken.
Der neue deutsche Trailer zu Asterix und das Königreich Nubien
Am besten funktioniert der Eindruck natürlich in Bewegung. Der offizielle deutsche Trailer von LEONINE zeigt bereits die verjüngten Dorfbewohner, die Reise nach Nubien, neue Figuren und einige der typischen Asterix-und-Obelix-Momente.
Offizieller deutscher Trailer zu „Asterix und das Königreich Nubien“. Video: LEONINE Studios
Familienfilm – und hoffentlich trotzdem nicht nur Kinderfilm
Asterix gehört seit jeher zu jenen Stoffen, die auf mehreren Ebenen funktionieren können.
Kinder lachen darüber, dass Obelix ein Nashorn möglicherweise für Abendessen hält. Erwachsene entdecken daneben Wortspiele, historische Anspielungen und gesellschaftliche Seitenhiebe.
Genau diese Balance gehört zum Erfolgsgeheimnis der Comics.
Deshalb hoffe ich, dass „Das Königreich Nubien“ nicht den Fehler macht, seinen Humor vollständig auf sehr junge Zuschauer zuzuschneiden. Familienunterhaltung muss schließlich nicht bedeuten, dass Erwachsene lediglich daneben sitzen und auf das Ende warten.
Gerade die besten Asterix-Filme verstanden, dass ein und derselbe Witz auf zwei Ebenen funktionieren kann.
Die FSK-0-Freigabe macht den Film jedenfalls für Familien problemlos zugänglich. Entscheidend wird sein, ob auch Erwachsene genügend zu entdecken bekommen.
Mein Eindruck: Genau so darf ein neuer Asterix-Film aussehen
Der neue Trailer zu „Asterix und das Königreich Nubien“ verkauft mir keine Revolution. Ehrlich gesagt bin ich darüber ziemlich froh.
Ich brauche keinen Asterix-Reboot, der mir erklärt, dass der kleine Gallier eigentlich schon immer ein gebrochener Antiheld war. Ebenso wenig brauche ich ein riesiges Franchise, das am Ende des Abspanns bereits die nächsten fünf Filme vorbereitet.
Asterix funktioniert viel einfacher.
Gebt mir einen guten Anlass, das Dorf zu verlassen. Schickt Asterix und Obelix in eine interessante neue Umgebung. Lasst Obelix hungrig werden, gebt Idefix etwas zu tun und sorgt dafür, dass irgendwann einige Römer feststellen, dass sie heute besser im Lager geblieben wären.
Genau danach sieht „Das Königreich Nubien“ bislang aus.
Besonders gut gefällt mir die Grundidee mit den verjüngten Dorfbewohnern. Sie verändert die jahrzehntealte Machtverteilung auf eine einfache Weise und liefert gleichzeitig einen glaubwürdigen Grund dafür, weshalb Asterix und Obelix überhaupt bis nach Nubien reisen müssen.
Dazu kommt ein Animationsstil, der Uderzos Figuren genügend Raum lässt, weiterhin wie Comicfiguren auszusehen. Für mich ist das bis heute die bessere Lösung als der Versuch, diese völlig überzeichnete Welt in realistische Körper zu zwängen.
Gleichzeitig muss der fertige Film jetzt noch beweisen, dass er mehr besitzt als Nostalgie. Bekanntes wiederzuerkennen ist schön. Die großen Asterix-Geschichten wurden allerdings deshalb groß, weil sie zusätzlich eine eigene Idee hatten.
Wenn Nubien tatsächlich als neue Welt genutzt wird und nicht nur als Kulisse für bekannte Running Gags dient, könnte hier ein richtig schönes Asterix-Abenteuer entstehen.
Stand jetzt sieht das jedenfalls charmant, klassisch und angenehm unverkrampft aus – ziemlich genau so, wie ich Asterix im Kino sehen möchte.
3. Dezember 2026
„Asterix und das Königreich Nubien“ · Regie: Alexandre Heboyan · Animation · rund 86 Minuten
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Freut ihr euch über eine komplett neue Geschichte oder würdet ihr lieber wieder eine direkte Comic-Adaption sehen? Und welcher Asterix-Film ist für euch bis heute der beste? Schreibt es gerne in die Kommentare.
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WhatsApp-Kanal abonnierenQuellen & Transparenz: LEONINE Studios / LEONINE Distribution – offizieller deutscher Trailer, Synopsis und deutscher Kinostart; SND Films – französische Produktion, Laufzeit und Pressematerial; FILMSTARTS – Informationen zum neuen Trailer, zur Originalgeschichte und zur deutschen Synchronbesetzung. Figuren nach René Goscinny und Albert Uderzo. Bildmaterial: M6 Studio / M6 Films / SND / LEONINE Studios. Redaktionelle Einordnung: Comixdealer Magazin.
