Clayface Kritik: Endlich traut sich das DCU, wirklich hässlich zu sein
Meine Clayface Kritik beginnt mit etwas, das ich beim heutigen Superheldenkino viel zu selten sagen kann: Dieser Film sieht nicht aus, als hätte ihn ein Studio nach einer Franchise-Checkliste zusammengebaut.
Kein Weltuntergang. Keine Armee aus dem All. Kein Multiversum. Keine 250-Millionen-Dollar-Schlacht, bei der im letzten Akt wieder irgendetwas Blaues in den Himmel schießt.
Stattdessen erzählt Regisseur James Watkins die Geschichte eines Mannes, der zuerst sein Gesicht verliert, anschließend seine Identität und irgendwann möglicherweise auch den letzten Rest seiner Menschlichkeit.
Dass dieser Mann zufällig einer der ältesten Batman-Gegner ist, wird dabei fast zur Nebensache.
Denn „Clayface“ ist zunächst kein Superheldenfilm.
Er ist Body-Horror.
Eine Tragödie.
Ein dreckiger Rachethriller.
Und genau deshalb ist er für mich eines der interessantesten Experimente, das DC Studios bislang gewagt hat.
Der Film versucht nicht, aus Clayface einen coolen Antihelden zu machen. Er erzählt die Entstehung eines Monsters – und sorgt trotzdem dafür, dass man versteht, wie dieser Mensch überhaupt dort landen konnte.
Spoilerfrei
Diese Kritik verrät keine entscheidenden Wendungen und geht bei der Handlung nicht wesentlich über das hinaus, was Trailer und offizielle Inhaltsangabe bereits zeigen.
Matt Hagen hat eigentlich alles erreicht
Das Tragische an dieser Geschichte beginnt damit, dass Matt Hagen kein gescheiterter Schauspieler ist.
Im Gegenteil.
Er steht unmittelbar vor dem großen Durchbruch. Der Junge aus Gotham hat es geschafft, sich bis nach Coast City hochzuarbeiten, gehört plötzlich zu den gefragtesten Schauspielern seiner Generation und hat sogar eine Oscar-Nominierung in der Tasche.
Für jemanden, der sein Leben lang übersehen wurde, scheint endlich genau jene Zukunft erreichbar, von der er immer geträumt hat.
Dann trifft er eine einzige schlechte Entscheidung.
Während eines Abends im Nachtclub beginnt Matt eine Affäre mit Mia, der Geliebten des Gangsterbosses Markos Szabo. Kurz darauf wird er brutal zusammengeschlagen und sein Gesicht mit einem Messer entstellt.
Damit verliert Matt innerhalb weniger Stunden nicht nur sein Aussehen.
Er verliert seinen Beruf.
Seinen Status.
Sein Geld.
Und vor allem jene Identität, die er sich mühsam aufgebaut hatte.
Clayface versteht etwas Entscheidendes über seine Hauptfigur
Ein schlechterer Film hätte Matt jetzt einfach zum armen Opfer erklärt.
Dann käme die Superkraft.
Anschließend die Rache.
Und irgendwann müssten wir jubeln, weil er besonders kreativ einen Gangster an die Wand klatscht.
James Watkins geht glücklicherweise einen unangenehmeren Weg.
Matt ist tragisch.
Aber deshalb ist er nicht automatisch gut.
Er trifft egoistische Entscheidungen, verliert sich zunehmend in seinem Wunsch, das alte Leben zurückzubekommen, und beginnt schließlich, seine neuen Fähigkeiten auf eine Weise zu benutzen, die immer schwieriger zu entschuldigen ist.
Dadurch bleibt er lange verständlich, obwohl man seine Entscheidungen irgendwann nicht mehr verteidigen kann.
Genau so sollte ein Villain-Origin-Film funktionieren.
Die beste Entscheidung des Films besteht darin, Matt Hagens Leid ernst zu nehmen, ohne daraus automatisch eine Entschuldigung für alles zu machen, was danach passiert.
Dann kommt Dr. Caitlyn Corr – und die Hoffnung wird zum eigentlichen Horror
Matt findet schließlich Dr. Caitlyn Corr, gespielt von Naomi Ackie. Sie arbeitet an einem experimentellen regenerativen Verfahren, das zerstörtes Gewebe wiederherstellen soll.
Für Matt klingt das wie ein Wunder.
Zunächst sieht es sogar danach aus.
Sein Gesicht kehrt zurück.
Damit scheint plötzlich auch seine alte Zukunft wieder erreichbar.
Natürlich wäre das ein ausgesprochen kurzer Horrorfilm, wenn die Sache einfach funktionieren würde.
Stattdessen beginnt sich Matts Körper zu verändern.
Seine Haut verliert ihre normale Struktur, Körperteile verformen sich und irgendwann besitzt sein Fleisch praktisch keine stabile Form mehr.
Was ihn zuerst heilt, löscht anschließend immer mehr von dem Menschen aus, den es eigentlich retten sollte.
Und ja: Das Ding ist wirklich Body-Horror
Nicht „Superheldenfilm mit zwei etwas ekligen Szenen“.
Wirklich Body-Horror.
Gesichter werden aufgeschnitten, Haut verändert ihre Konsistenz, Körperteile wachsen zusammen und Matts Verwandlungen fühlen sich nicht wie eine praktische Superkraft an, sondern wie eine Krankheit, die seinen gesamten Körper übernommen hat.
Der Vergleich mit David Cronenbergs „Die Fliege“ drängt sich deshalb geradezu auf. Auch dort beginnt alles mit einem wissenschaftlichen Fortschritt, bevor sich die vermeintliche Verbesserung des Körpers zunehmend in eine körperliche und psychische Katastrophe verwandelt.
An anderen Stellen erinnert „Clayface“ an „Darkman“, während neuere Zuschauer wahrscheinlich ebenfalls an „The Substance“ denken werden.
Allerdings kopiert Watkins diese Filme nicht einfach.
Clayfaces Fähigkeit zur Gestaltwandlung ermöglicht Bilder, die nur mit dieser Figur funktionieren.
Besonders stark sind deshalb jene Szenen, in denen Matts Körper nicht vollständig weiß, welcher Mensch er eigentlich gerade sein soll.
Gesichter erscheinen an falschen Stellen.
Körperformen beginnen ineinanderzulaufen.
Identität wird plötzlich zu etwas Physischem.
Und genau dann wird aus der Comic-Superkraft echter Horror.
Clayfaces Kräfte sehen nicht deshalb gruselig aus, weil der Film unbedingt Blut zeigen möchte. Sie sind gruselig, weil Matt irgendwann buchstäblich nicht mehr weiß, welches Gesicht eigentlich seines ist.
Tom Rhys Harries ist der größte Volltreffer des Films
So ein Konzept funktioniert allerdings nur, wenn unter all den Effekten ein Mensch erkennbar bleibt.
Tom Rhys Harries schafft genau das.
Er muss im Grunde mehrere Versionen derselben Figur spielen: den selbstbewussten Star, das zerstörte Opfer, einen verzweifelten Mann voller Hoffnung und schließlich jemanden, dessen Wut immer stärker mit seiner neuen körperlichen Existenz verschmilzt.
Dabei macht Harries nicht den Fehler, Matt einfach irgendwann auf „wahnsinniger Superschurke“ umzuschalten.
Selbst in seinen schlimmsten Momenten bleibt etwas von dem Mann sichtbar, der am Anfang lediglich sein Gesicht und sein Leben zurückhaben wollte.
Genau deshalb trifft seine Entwicklung stärker.
Man schaut keinem geborenen Monster beim Monstersein zu.
Man sieht einen Menschen dabei, wie er Stück für Stück zu einem wird.
Dass Harries praktisch quer durch die internationale Kritik als eine der größten Stärken des Films genannt wird, überrascht deshalb überhaupt nicht.
Naomi Ackie gibt dem Film das Herz, das er dringend braucht
Ebenso wichtig ist Naomi Ackie als Caitlyn.
Ihre Figur hätte sehr leicht zur Wissenschaftlerin werden können, die nur drei Funktionen besitzt: wissenschaftliche Dinge erklären, besorgt schauen und irgendwann feststellen, dass ihr Experiment außer Kontrolle geraten ist.
Zum Glück bekommt sie etwas mehr.
Zwischen Caitlyn und Matt entsteht eine Beziehung, die gleichzeitig von Mitgefühl, Faszination, Verantwortung und wachsender Angst geprägt ist.
Sie hat Matt geholfen.
Dadurch trägt sie jedoch auch einen Teil der Verantwortung für das, was aus ihm wird.
Besonders interessant wird der Film deshalb immer dann, wenn Caitlyn nicht weiß, ob sie gerade versucht, ihren Patienten zu retten, ihren eigenen Fehler zu korrigieren oder einen Menschen festzuhalten, zu dem längst eine persönliche Verbindung entstanden ist.
Eine Szene ist so verstörend, weil sie gleichzeitig fast zärtlich ist
Der Film scheint besonders dann richtig stark zu werden, wenn Horror und Intimität nicht voneinander getrennt werden.
Eine der meistdiskutierten Szenen zeigt Caitlyn, wie sie Matt im Schlaf beobachtet.
Währenddessen beginnt sein Körper, Teile ihres Aussehens anzunehmen.
Das Ergebnis ist kein klassischer Monsterschock.
Vielmehr entsteht etwas gleichzeitig Zärtliches und vollkommen Falsches.
Matt scheint Nähe herstellen zu wollen, kann dies jedoch irgendwann nur noch dadurch, dass sein Körper den Menschen kopiert, dem er sich nahe fühlt.
Damit bekommt seine Fähigkeit plötzlich eine ziemlich traurige Ebene.
Clayface kann theoretisch jeder Mensch sein.
Das Problem ist nur:
Er verliert dabei immer stärker die Fähigkeit, Matt Hagen zu bleiben.
Die besten Horrormomente entstehen nicht dann, wenn möglichst viel Blut durchs Bild fliegt. Sie entstehen, wenn Matts Fähigkeit plötzlich etwas über seine Angst vor dem Verlust der eigenen Identität erzählt.
Dieses Gotham möchte ich unbedingt mit Batman sehen
Interessant ist allerdings, wie unterschiedlich das neue Gotham bei Kritikern ankommt.
Für mich funktioniert die grundsätzliche Idee hervorragend.
Diese Stadt ist kein gotisches Märchen wie bei Tim Burton und keine beinahe sterile Metropole wie teilweise bei Christopher Nolan.
Stattdessen wirkt Gotham schmutzig.
Müll liegt auf den Straßen, Graffiti ziehen sich über Mauern, Industrieanlagen spucken Rauch in den Himmel und Lichtquellen kämpfen permanent gegen feuchte Dunkelheit.
Man erkennt durchaus eine gewisse Verwandtschaft zu Matt Reeves‘ „The Batman“, ohne dass Watkins dessen fast monochromen Look einfach kopiert.
Gerade die grünen, roten und orangefarbenen Lichtquellen geben einigen Szenen einen unangenehm kranken Ton.
Allerdings gibt es hier auch berechtigte Gegenstimmen. Einige internationale Kritiken empfinden Gotham als überraschend austauschbar und bemängeln, dass die Stadt nicht immer jene starke eigene Persönlichkeit entwickelt, die sie normalerweise besitzt.
Das kann ich nachvollziehen.
Trotzdem gefällt mir grundsätzlich, dass das DCU nicht versucht, Gotham plötzlich heller oder familienfreundlicher zu gestalten, nur weil dieselbe Welt irgendwo auch Superman enthält.
Und das ist vielleicht das Wichtigste für das gesamte DCU
„Clayface“ muss nicht aussehen wie „Superman“.
Genau das sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Ist es bei modernen Cinematic Universes aber erstaunlicherweise nicht.
Zu häufig bekommen völlig unterschiedliche Figuren dieselbe visuelle Sprache, denselben Humor, dieselbe dramaturgische Struktur und am Ende denselben gigantischen dritten Akt.
DC scheint hier einen anderen Weg auszuprobieren.
Ein Superman-Film darf großes, buntes Superheldenkino sein.
„Lanterns“ darf als Kriminalserie funktionieren.
Und „Clayface“ darf wiederum ein dreckiger Horrorfilm für Erwachsene sein.
Wenn das wirklich die langfristige Philosophie dieses Universums wird, ist sie für mich wesentlich interessanter als die Frage, wann Figur A endlich Figur B begegnet.
Ein gemeinsames Universum wird nicht interessanter, wenn jeder Film gleich aussieht. Es wird interessanter, wenn völlig unterschiedliche Genres trotzdem glaubwürdig in derselben Welt existieren können.
Kein Batman? Überraschenderweise überhaupt kein Problem
Natürlich liegt bei einem Film über Clayface eine Frage nahe:
Wo ist Batman?
Die schönste Antwort lautet:
Im Moment vollkommen egal.
„Clayface“ funktioniert als eigenständige Geschichte und braucht keinen Bruce Wayne, der in der letzten halben Stunde aus dem Schatten tritt, damit das Publikum daran erinnert wird, dass wir uns in einem DC-Film befinden.
Das ist sogar eine der größten Stärken.
Matt Hagen bekommt dadurch Zeit, als eigene Figur zu funktionieren, anstatt nur 90 Minuten lang auf seine zukünftige Rolle als Batman-Bösewicht vorbereitet zu werden.
Natürlich möchte ich Clayface irgendwann gegen den DCU-Batman sehen.
Nach diesem Film sogar mehr als vorher.
Aber genau deshalb ist es richtig, ihn zunächst ohne Batman aufzubauen.
Wenn die beiden irgendwann aufeinandertreffen, kennen wir das Monster bereits.
Und schlimmer noch:
Wir kennen den Menschen darin.
Die Hollywood-Satire ist dagegen ziemlich dünn
Hier würde ich den Film deutlich kritischer sehen.
Der Einstieg mit Matt als aufsteigendem Schauspielstar eröffnet eigentlich ein riesiges Feld.
Aussehen als Kapital.
Körper als Ware.
Studios, die einen Schauspieler fallenlassen, sobald sein Gesicht nicht mehr vermarktbar ist.
Prominenz als Identität.
Die Frage, ob ein Mensch in Hollywood überhaupt noch weiß, wer er selbst ist, wenn er permanent Rollen spielt.
All das passt geradezu perfekt zu Clayface.
Der Film kratzt allerdings offenbar häufiger nur an diesen Ideen, statt sie wirklich auszureizen.
Natürlich ist die Botschaft erkennbar: Diese Industrie liebt Gesichter, bis sie nicht mehr funktionieren.
Aber besonders neu ist das nicht.
Gerade nach Filmen und Serien, die Hollywood in den vergangenen Jahren wesentlich bissiger auseinandergenommen haben, bleibt dieser Teil erstaunlich handzahm.
Mein größter Kritikpunkt
Ausgerechnet ein Film über einen Schauspieler, der sein Gesicht und anschließend seine Identität verliert, hätte über Hollywood, Schönheitsideale und Selbstinszenierung noch viel mehr zu sagen haben können.
Auch die Effekte sind nicht immer auf demselben Niveau
Bei Clayface ist das natürlich ein wichtiger Punkt.
Dieser Film steht und fällt teilweise damit, ob man glaubt, dass Matts Körper tatsächlich seine Form verliert.
Die stärksten Transformationen scheinen hervorragend zu funktionieren, besonders wenn praktische Effekte, Make-up, Licht und digitale Nachbearbeitung zusammenspielen.
Allerdings bemängeln mehrere Kritiker auch sichtbar schwächere CGI-Momente.
Gerade dann, wenn der Film Clayfaces Fähigkeiten größer und spektakulärer ausspielt, geht teilweise etwas von der unangenehmen Körperlichkeit verloren.
Das ist schade.
Denn ein menschliches Gesicht, das sich falsch bewegt, kann wesentlich verstörender sein als ein großer digitaler Schleimkörper.
Zum Glück scheint Watkins das die meiste Zeit ebenfalls zu wissen.
Kleinere Budgets können bei Comicfilmen eine verdammt gute Sache sein
Und genau deshalb gefällt mir „Clayface“ konzeptionell so gut.
Nicht jede DC-Figur benötigt einen gigantischen Blockbuster.
Manchmal ist die Begrenzung sogar eine Stärke.
Ein kleinerer Film muss seine Wirkung nicht daraus beziehen, dass im Finale ein kompletter Stadtteil explodiert. Er kann näher an den Figuren bleiben, ungewöhnlichere Genres ausprobieren und Risiken eingehen, die bei einer extrem teuren Produktion wahrscheinlich sofort wieder aus dem Drehbuch gestrichen würden.
„Clayface“ wirkt genau wie so ein Film.
Ein B-Movie mit A-Movie-Handwerk.
Zumindest in seinen besten Momenten.
Und davon hätte ich im DCU ehrlich gesagt gern deutlich mehr.
Der offizielle deutsche Clayface-Trailer
Wer bisher nur einen klassischen Batman-Schurkenfilm erwartet hat, bekommt im Trailer bereits einen ziemlich guten Eindruck davon, welche Richtung James Watkins tatsächlich einschlägt. Besonders die medizinischen und körperlichen Horrorbilder machen deutlich, dass die FSK-16-Freigabe hier nicht nur Dekoration ist.
Offizieller deutscher Trailer zu „Clayface“. Video: Warner Bros. Germany
Was sagen die anderen Kritiken?
Interessanterweise ist „Clayface“ kein Film, bei dem sich die internationale Presse vollkommen einig ist.
Der Tenor fällt überwiegend positiv aus, allerdings schwanken die Einschätzungen deutlich stärker als bei einem klassischen Kritikerliebling.
Besonders häufig gelobt werden Tom Rhys Harries, die Body-Horror-Ideen und die Tatsache, dass der Film kaum Interesse daran besitzt, wie ein gewöhnlicher Superheldenfilm auszusehen.
Auf der anderen Seite tauchen dieselben Schwächen ebenfalls regelmäßig auf: unterentwickelte Nebenfiguren, eine zu oberflächliche Hollywood-Satire, teilweise schwankende Effekte und ein Drehbuch, das manche seiner interessanteren Themen nicht konsequent genug verfolgt.
Rotten Tomatoes lag zum deutschen Kinostart bei ungefähr drei Vierteln positiven Kritiken.
Das passt eigentlich ziemlich gut.
„Clayface“ scheint kein makelloser Film zu sein.
Aber er ist wenigstens ein Film, über dessen Fehler man diskutieren kann, weil er vorher überhaupt etwas Eigenes versucht hat.
Und das ist mir persönlich wesentlich lieber als perfekt polierte Austauschbarkeit.
Die Comixdealer-Wertung
Mein Fazit: Genau wegen solcher Filme finde ich das neue DCU interessant
„Clayface“ ist vermutlich nicht der Film, mit dem DC das nächste Milliarden-Franchise startet.
Vielleicht ist genau das seine größte Stärke.
James Watkins muss keine Justice League vorbereiten, keinen Batman-Auftritt erzwingen und auch keine zehn Easter Eggs pro Minute im Hintergrund verstecken. Dadurch kann der Film tatsächlich von Matt Hagen handeln.
Und dessen Geschichte ist im Kern erstaunlich traurig.
Ein Mann definiert sich über sein Gesicht, seinen Beruf und die Art, wie andere Menschen ihn sehen. Dann verliert er genau das und bekommt anschließend die Fähigkeit, jedes Gesicht der Welt zu tragen – nur sein eigenes immer weniger.
Das ist eine verdammt gute Grundlage für Clayface.
Tom Rhys Harries scheint daraus außerdem wesentlich mehr zu machen als einen zukünftigen Bosskampf für Batman. Matt ist charmant, verzweifelt, arrogant, verletzlich und irgendwann erschreckend. Vor allem bleibt er lange genug Mensch, damit sein Absturz tatsächlich wehtut.
Auch der Horror funktioniert, weil Watkins nicht ständig versucht, die ekligste Szene aller Zeiten zu drehen. Die stärksten Momente verbinden körperliche Veränderung mit Matts Identitätsverlust. Genau dort wird Clayface von einer Comicfigur zu etwas wirklich Unangenehmem.
Gleichzeitig ist der Film nicht so tief, wie er sein könnte. Gerade die Hollywood-Satire verschenkt Möglichkeiten, einige Nebenfiguren bleiben funktionaler als nötig und nicht jede digitale Transformation besitzt dieselbe unangenehme Körperlichkeit.
Trotzdem nehme ich einen Film mit solchen Ecken lieber als den nächsten komplett glattgebügelten Superheldenproduktfilm.
Vor allem aber zeigt „Clayface“, wie spannend ein gemeinsames DC-Universum sein könnte, wenn „gemeinsam“ nicht automatisch „gleich“ bedeutet.
Superman darf Superman sein.
Lanterns darf Krimi sein.
Und Clayface darf verdammt nochmal Horror sein.
Nicht perfekt, aber mutig, unangenehm und mit einer richtig starken Hauptfigur: „Clayface“ ist genau die Art von Risiko, die ich vom DCU viel häufiger sehen möchte.
🎯 Für wen ist Clayface?
Für DC- und Batman-Fans, die nicht zwingend Batman brauchen, ebenso wie für Zuschauer, die „Die Fliege“, „Darkman“, „The Substance“ oder tragischen Body-Horror mögen. Wer dagegen ein klassisches Superheldenabenteuer mit großen Actionszenen, viel Humor und permanenten DCU-Verweisen erwartet, bekommt hier bewusst etwas völlig anderes.
22. Oktober 2026
„Clayface“ · James Watkins · 1 Std. 49 Min. · FSK 16
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