Daredevil Born Again Ende: Nach Staffel 3 ist Schluss
„Daredevil: Born Again“ endet nach Staffel 3. Ausgerechnet jetzt, wo die Serie endlich ihre eigene Identität gefunden hat, die Defenders wieder zusammenführt und Matt Murdocks zweites Serienleben richtig Fahrt aufgenommen hat, setzt Marvel einen Schlusspunkt.
Die finale Staffel soll 2027 bei Disney+ erscheinen. Gleichzeitig verlässt Showrunner Dario Scardapane Marvel, obwohl sich die dritte Staffel noch in der Fertigstellung befindet. Eine offizielle Begründung für das Serienende gibt es bislang nicht.
Deshalb ist die eigentliche Nachricht vielleicht gar nicht nur, dass „Born Again“ endet. Viel interessanter ist die Frage, warum das ausgerechnet jetzt passiert – und weshalb sich dieses Ende so merkwürdig unpassend anfühlt.
„Born Again“ brauchte fast zwei Staffeln, um wirklich bei sich selbst anzukommen. Nun hat die Serie ihren Ton gefunden – und bekommt nur noch eine letzte Runde.
Das Wichtigste
Laut mehreren US-Branchenmedien wird „Daredevil: Born Again“ mit Staffel 3 enden. Die finale Season ist für 2027 angekündigt und bereits weit in der Produktion. Gleichzeitig wurde der Vertrag von Showrunner Dario Scardapane nicht verlängert. Für das Serienende selbst hat Marvel bisher keinen offiziellen Grund genannt. Allerdings zeigen externe Streamingdaten, dass Staffel 2 trotz guter Kritiken deutlich weniger Publikum erreichte als die erste Season.
Schon wieder drei Staffeln – Daredevil erlebt ein bemerkenswertes Déjà-vu
Die Ironie lässt sich kaum übersehen. Bereits die ursprüngliche Netflix-Serie „Daredevil“ lief von 2015 bis 2018 genau drei Staffeln, bevor Netflix die Produktion überraschend beendete.
Danach folgten Jahre, in denen Charlie Cox‘ Rückkehr alles andere als selbstverständlich war. Schließlich tauchte Matt Murdock wieder im MCU auf, zunächst in kleineren Rollen und später mit einer eigenen Disney+-Serie.
„Born Again“ sollte deshalb nicht einfach nur Nostalgie bedienen. Vielmehr sollte die Serie Daredevil dauerhaft innerhalb des MCU verankern und zugleich die düstere Street-Level-Seite dieses Universums ausbauen.
Nun endet auch dieser zweite Serienlauf nach Staffel 3.
Netflix-Daredevil: drei Staffeln. Disney+-Daredevil: drei Staffeln. Matt Murdock scheint die vierte Staffel einfach nicht vergönnt zu sein.
Allerdings ist ein wichtiger Unterschied nötig: Das Ende von „Born Again“ bedeutet nicht automatisch das Ende von Charlie Cox als Daredevil.
Marvel hat bisher lediglich das Serienfinale bekannt werden lassen. Über Matt Murdocks weitere Zukunft im MCU gibt es dagegen noch keine abschließende Aussage.
Born Again hatte von Anfang an eine schwierige Geburt
Vielleicht passt ein chaotisches Ende leider auch ein wenig zur Geschichte dieser Serie.
Die erste Staffel von „Born Again“ entstand bekanntlich nicht einfach nach einem gewöhnlichen Produktionsplan. Marvel begann zunächst mit einer deutlich anderen Version, bevor das Studio während der Arbeiten große Teile des kreativen Konzepts überarbeitete.
Dario Scardapane kam im Zuge dieser Neuaufstellung als Showrunner dazu. Gleichzeitig kehrten mehrere zentrale Figuren aus der Netflix-Serie stärker zurück, während der Ton wieder näher an das frühere Crime-Drama rückte.
Das Ergebnis war eine erste Staffel, der man ihre Entstehung teilweise noch ansah. Einige Episoden funktionierten hervorragend, andere wirkten dagegen wie Teile zweier verschiedener Serien, die nachträglich miteinander verbunden worden waren.
Trotzdem war die Richtung erkennbar.
Staffel 2 war endlich die Serie, die Born Again von Beginn an sein wollte
Genau deshalb fühlt sich das angekündigte Ende jetzt so unbefriedigend an.
Staffel 2 wirkte wesentlich geschlossener. Die Handlung konzentrierte sich stärker auf Matt Murdock, Wilson Fisk und den Kampf um New York, während die verschiedenen Nebenfiguren deutlich organischer eingebunden wurden.
Außerdem musste die Serie nicht mehr ständig erklären, warum sie anders aussieht oder sich anders anfühlt als ihr Netflix-Vorgänger. Sie durfte endlich einfach eine Daredevil-Geschichte erzählen.
Auch die Kritiker reagierten entsprechend positiv. Rotten Tomatoes führt Staffel 2 aktuell mit 86 Prozent positiven Kritiken bei mehr als 130 Rezensionen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder begeistert war. Allerdings zeigt dieser Wert ziemlich deutlich, dass das Ende nicht mit einem allgemeinen qualitativen Absturz zusammenfällt.
Das Paradoxe
Kreativ stabilisiert sich „Born Again“ ausgerechnet in dem Moment, in dem Marvel entscheidet, dass nach der nächsten Staffel Schluss ist.
Die Zuschauerzahlen dürften zumindest Teil der Geschichte sein
Qualität allein entscheidet im Streamingzeitalter allerdings nicht über die Zukunft einer Serie.
Gerade hier wird die Situation für „Born Again“ deutlich weniger erfreulich. Laut Daten des Analyseunternehmens Luminate, die ComicBook veröffentlicht hat, verlor die zweite Staffel in den USA im direkten Vergleich deutlich an Reichweite.
In den ersten fünf Wochen kam Staffel 2 demnach auf rund 4,5 Millionen Views. Die erste Staffel erreichte im vergleichbaren Zeitraum etwa 8,35 Millionen.
Damit sank die Zahl der Views um ungefähr 46 Prozent. Gleichzeitig ging die gesamte Sehdauer laut denselben Daten sogar um mehr als 54 Prozent zurück.
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Dennoch sollte man daraus keine offizielle Begründung konstruieren. Marvel hat bisher nicht erklärt, dass die Zuschauerzahlen unmittelbar zum Serienende geführt haben.
Als wirtschaftlicher Hintergrund lässt sich diese Entwicklung allerdings kaum ignorieren.
Interessanterweise zeigen andere Luminate-Auswertungen zugleich, dass „Born Again“ insgesamt weiterhin zu den stärker gesehenen Disney+-Originalserien des Jahres gehörte.
Genau deshalb ist die Lage weniger eindeutig, als eine einfache Schlagzeile wie „zu wenige Zuschauer“ vermuten lassen würde.
Der Abgang von Dario Scardapane wirft zusätzliche Fragen auf
Noch bemerkenswerter als das Serienende ist für mich fast die Situation hinter den Kulissen.
Scardapanes Vertrag ist ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Laut Branchenberichten verlässt er Marvel, obwohl Staffel 3 noch nicht vollständig fertiggestellt ist.
Die Produktion befindet sich zwar bereits weit im Prozess, dennoch ist das kein vollkommen gewöhnlicher Zeitpunkt für einen Showrunner-Wechsel.
Schließlich war Scardapane genau jener Mann, der nach der kreativen Neuaufstellung helfen sollte, „Born Again“ auf einen klareren Kurs zu bringen.
Wenn ausgerechnet diese Person vor Abschluss der finalen Staffel geht, entstehen zwangsläufig Fragen darüber, wie sauber dieses Ende tatsächlich geplant war.
Wenn eine Serie planmäßig endet, erwartet man normalerweise eine gemeinsame Ziellinie. Bei „Born Again“ geht ausgerechnet der kreative Kopf noch während der Fertigstellung.
Und ausgerechnet Staffel 3 bringt die Defenders endgültig wieder zusammen
Dadurch bekommt das Finale noch eine zusätzliche emotionale Ebene.
Krysten Ritter kehrt als Jessica Jones zurück. Mike Colter ist wieder Luke Cage, während Finn Jones erneut Danny Rand alias Iron Fist spielt. Damit bringt die dritte Staffel zentrale Mitglieder des alten Netflix-Defenders-Universums erneut mit Charlie Cox zusammen.
Gerade diese Wiedervereinigung hatten Fans jahrelang gefordert.
Zunächst wirkte es lange unwahrscheinlich, dass Marvel diese Figuren überhaupt noch einmal gemeinsam nutzen würde. Nun passiert genau das – allerdings ausgerechnet in jener Staffel, die gleichzeitig das Ende von „Born Again“ markiert.
Charlie Cox – Daredevil
Krysten Ritter – Jessica Jones
Mike Colter – Luke Cage
Finn Jones – Iron Fist
Dadurch könnte Staffel 3 zwar zu einem großen Abschluss der gesamten Street-Level-Ära werden. Gleichzeitig verstärkt genau das aber auch die Frage, weshalb Marvel dieses Fundament danach nicht einfach weiter ausbaut.
Eigentlich wäre Daredevil perfekt für langfristiges Marvel-Fernsehen
Denn kaum eine MCU-Figur eignet sich besser für eine klassische Fernsehserie.
Daredevil braucht keine zerstörten Planeten und keine 250-Millionen-Dollar-CGI-Schlacht. Seine Welt funktioniert mit Gerichtsverfahren, organisierter Kriminalität, Straßenbanden, korrupten Institutionen und einem Mann, der nachts Verbrecher zusammenschlägt und morgens versucht, das Gesetz zu verteidigen.
Gerade dadurch kann man Geschichten erzählen, die über mehrere Jahre wachsen, ohne jedes Mal das gesamte Universum retten zu müssen.
Außerdem besitzt Wilson Fisk mit Vincent D’Onofrio einen Gegenspieler, der problemlos über mehrere Staffeln hinweg relevant bleiben kann. New York selbst bietet ebenfalls genug Konflikte, Figuren und Milieus für weit mehr als drei Seasons.
Deshalb wirkt die Entscheidung auf mich kreativer merkwürdiger als etwa das Ende einer großen Eventserie.
Wenn irgendeine Marvel-Figur dafür gemacht ist, jahrelang in einer hochwertigen, erwachsenen TV-Serie zu funktionieren, dann ist es Matt Murdock.
Trotzdem muss ein Ende nicht automatisch schlecht sein
Bei aller Enttäuschung gibt es allerdings auch eine andere Perspektive.
Nicht jede Serie wird besser, nur weil man sie möglichst lange fortsetzt. Im Gegenteil: Eine klar begrenzte Geschichte kann wesentlich befriedigender sein als fünf zusätzliche Staffeln, die irgendwann nur noch bekannte Konflikte wiederholen.
Falls Marvel die dritte Staffel tatsächlich als echten Abschluss gestalten kann, könnten drei konzentrierte Seasons also vollkommen reichen.
Entscheidend wird deshalb sein, ob sich Staffel 3 wirklich wie ein Finale anfühlt.
Hat Matt Murdocks Geschichte einen Abschluss? Bekommt Wilson Fisk ein sinnvolles Ende? Werden Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist organisch eingebunden? Und bleiben am Ende bewusst Türen offen, weil Daredevil im MCU weiterleben soll?
Wenn diese Fragen überzeugend beantwortet werden, könnte das Serienende rückblickend sogar sinnvoll wirken.
Im Moment fehlen dafür allerdings noch zu viele Informationen.
Daredevil verschwindet damit noch lange nicht aus dem MCU
Das sollte man trotz aller Schlagzeilen nicht vergessen.
„Daredevil: Born Again“ endet. Charlie Cox‘ Zeit als Matt Murdock muss deshalb keineswegs automatisch vorbei sein.
Die Figur ist mittlerweile wesentlich tiefer im MCU verankert als noch zu Netflix-Zeiten. Dadurch kann Daredevil problemlos in Filmen, anderen Serien oder späteren Street-Level-Projekten auftauchen.
Bis Marvel konkrete Pläne ankündigt, bleibt das jedoch Spekulation.
Nach Daredevils bisheriger Geschichte wäre ich allerdings vorsichtig mit einem endgültigen Abschied. Schließlich haben Fans schon einmal geglaubt, Charlie Cox‘ Zeit als Matt Murdock sei beendet.
Ein paar Jahre später stand er wieder vor der Kamera.
Offizieller Trailer zu „Daredevil: Born Again“ Staffel 2. Video: Marvel Entertainment
Mein Fazit: Das Aus kommt ausgerechnet dann, als Born Again endlich funktioniert
Mich stört weniger, dass „Daredevil: Born Again“ irgendwann endet. Drei Staffeln können vollkommen ausreichen, wenn eine Geschichte danach wirklich erzählt ist.
Was mich vielmehr irritiert, ist der Zeitpunkt.
Die erste Staffel musste einen kreativen Neustart überleben. Danach wirkte Staffel 2 endlich wie eine Serie mit eigener Identität, einem klaren Ton und einem starken Zentrum aus Matt Murdock und Wilson Fisk.
Gleichzeitig bringt Staffel 3 nun Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist wieder mit Daredevil zusammen. Eigentlich fühlt sich das deshalb weniger wie ein natürlicher Endpunkt und vielmehr wie der Moment an, an dem dieses kleine Marvel-Universum gerade erst wieder interessant wird.
Natürlich lassen sich die schwächeren Streamingzahlen nicht ignorieren. Dennoch hat Marvel bislang nicht erklärt, ob genau darin der entscheidende Grund für das Ende liegt.
Zusätzlich hinterlässt Scardapanes Abgang während der Fertigstellung einen Beigeschmack. Wenn Staffel 3 von Anfang an als große Ziellinie geplant war, wirkt dieser Übergang zumindest ungewöhnlich.
Deshalb hoffe ich vor allem auf eines: Gebt Matt Murdock 2027 ein Finale, das sich tatsächlich wie ein Finale anfühlt. Denn wenn „Born Again“ schon gehen muss, dann bitte mit einem letzten Schlag, der sitzt.
💬 Ist nach Staffel 3 wirklich der richtige Zeitpunkt?
Würdet ihr Daredevil gerne noch mehrere Jahre als eigene Street-Level-Serie sehen, oder sind drei Staffeln genug, wenn Marvel Matt Murdock einen starken Abschluss gibt? Und glaubt ihr, dass Charlie Cox danach trotzdem weiter im MCU auftauchen wird?
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